Segelmacherhandwerk auf der PEKING in Hamburg

Im Frachtraum eines historischen Segelschiffs selbst mit Segeltuch arbeiten

Man muss nur an Deck der PEKING stehen und nach oben schauen, um eine Vorstellung davon zu bekommen, welche Bedeutung Segel auf einem Schiff dieser Größe einmal hatten. Masten, Rahen und Takelage bilden ein Geflecht über dem Deck. Als die Viermastbark noch Fracht über die Weltmeere transportierte, war ein beschädigtes Segel kein dekoratives Problem. Es gehörte zu den Dingen, die an Bord beherrscht werden mussten.

Heute liegt die PEKING im Hamburger Hansahafen. Und ausgerechnet in ihrem Frachtraum kann man ein Handwerk ausprobieren, das untrennbar mit der Geschichte solcher Schiffe verbunden ist.

Das Deutsche Hafenmuseum bietet mit seiner Hafenmanufaktur Segelmachen einen zweitägigen Kurs an, bei dem Besucher nicht nur etwas über historische Segel erfahren. Unter Anleitung einer Segelmachermeisterin arbeiten sie selbst mit dem Material und lernen grundlegende Techniken des traditionellen Handwerks kennen.

Am Ende entsteht zwar kein Segel für eine Viermastbark. Das wäre innerhalb eines Wochenendes auch kaum realistisch.

Stattdessen fertigt jeder Teilnehmer eine eigene Tasche oder einen Beutel und nimmt damit ein Stück selbst bearbeitetes Segeltuch mit nach Hause.

Ein Handwerk, das auf See unverzichtbar war

Segel waren über Jahrhunderte der Motor der Seefahrt.

Bevor Dampfmaschinen und später Dieselmotoren die Handelsschifffahrt veränderten, hing die Geschwindigkeit eines Schiffes unmittelbar davon ab, wie Wind und Segelfläche zusammenspielten.

Entsprechend wichtig waren Menschen, die Segel herstellen, anpassen und reparieren konnten.

Segelmacher mussten mit großen und schweren Stoffbahnen umgehen können. Nähte mussten erheblichen Belastungen standhalten, Kanten verstärkt und Befestigungspunkte so gearbeitet werden, dass Kräfte aufgenommen werden konnten.

Das erforderte Erfahrung und präzise Handarbeit.

Ein Segel war schließlich kein gewöhnliches Stück Stoff. Auf See war es dauerhaft Wind, Feuchtigkeit, Bewegung und erheblichen Zugkräften ausgesetzt.

Viele Techniken dieses Handwerks entwickelten sich genau aus diesen Anforderungen.

Warum Segelmacher anders arbeiten als eine gewöhnliche Schneiderei

Auf den ersten Blick wird in beiden Berufen Stoff zugeschnitten und vernäht.

Damit endet die Gemeinsamkeit jedoch ziemlich schnell.

Segelmacher arbeiten mit Materialien, die auf Belastbarkeit ausgelegt sind. Historisch waren das vor allem schwere Gewebe aus Naturfasern; in der modernen Segelmacherei kommen längst auch synthetische Materialien und technisch hochentwickelte Gewebe zum Einsatz.

Auch Werkzeuge und Arbeitstechniken wurden an die besonderen Anforderungen angepasst.

Bei traditioneller Handarbeit müssen Nadeln durch widerstandsfähiges Material geführt und kräftige Nähte hergestellt werden. Dabei entstanden Werkzeuge und Handgriffe, die für das Segelmacherhandwerk charakteristisch sind.

Genau solche handwerklichen Grundlagen stehen bei der Hamburger Hafenmanufaktur im Mittelpunkt.

Zwei Tage im Frachtraum der PEKING

Schon der Veranstaltungsort macht diesen Workshop außergewöhnlich.

Gearbeitet wird nicht in irgendeinem Seminarraum.

Der Kurs findet im Frachtraum der PEKING statt.

Damit sitzt man während des Workshops innerhalb eines Schiffes, dessen gesamte Geschichte mit der großen Zeit der Frachtsegler verbunden ist.

Die PEKING wurde 1911 bei Blohm & Voss in Hamburg gebaut. Sie gehörte zu den berühmten Flying P-Linern der Hamburger Reederei F. Laeisz und transportierte unter anderem Salpeter zwischen Europa und Südamerika.

Schiffe dieser Klasse waren für ihre Geschwindigkeit und ihre robuste Konstruktion bekannt.

Nach Jahrzehnten auf unterschiedlichen Stationen kehrte die PEKING schließlich nach Hamburg zurück und wurde umfangreich restauriert.

Heute gehört sie zum Deutschen Hafenmuseum und liegt am historischen Standort im Hansahafen.

Dass ausgerechnet in ihrem Frachtraum wieder Segelmachertechniken vermittelt werden, gibt dem Workshop eine Verbindung zu seinem Thema, die sich kaum künstlich herstellen ließe.

Was macht man im Kurs tatsächlich selbst?

Die Teilnehmer lernen grundlegende Fertigkeiten des Segelmacherhandwerks kennen und setzen sie praktisch um.

Das bedeutet: Das Material bleibt nicht auf dem Demonstrationstisch liegen.

Es wird selbst gearbeitet.

Unter fachlicher Anleitung entsteht während der beiden Kurstage eine Tasche oder ein Beutel.

Das Projekt ist bewusst so gewählt, dass traditionelle Arbeitstechniken an einem überschaubaren Werkstück erlernt werden können.

Ein komplettes Segel wäre eine völlig andere Dimension. Historische Großsegler trugen enorme Segelflächen, deren Herstellung erhebliches Fachwissen und viel Arbeitszeit erforderte.

Die Tasche ist deshalb keine touristische Miniatur eines Segels, sondern ein Werkstück, an dem sich die handwerklichen Prinzipien tatsächlich ausprobieren lassen.

Warum Handarbeit bei Segeltuch Kraft verlangt

Wer hauptsächlich leichte Baumwollstoffe kennt, merkt beim Arbeiten mit kräftigem Segeltuch schnell einen Unterschied.

Das Material widersetzt sich stärker.

Eine Nadel lässt sich nicht beliebig durch mehrere Lagen drücken, und gerade historische Handtechniken waren darauf ausgelegt, mit robustem Material umgehen zu können.

Segelmacher entwickelten deshalb spezielle Hilfsmittel.

Zu den charakteristischen Werkzeugen des traditionellen Handwerks gehört beispielsweise der Segelmacherhandschuh beziehungsweise Segelmacherhandschutz. Er hilft dabei, eine kräftige Nadel kontrolliert durch schweres Material zu drücken.

Solche Details zeigen, wie stark Werkzeuge aus der konkreten Arbeitssituation heraus entstanden sind.

Ein Wochenende mit Segeltuch macht deshalb schnell verständlich, warum Segelmachen ein eigener Handwerksberuf wurde und nicht einfach eine maritime Variante des Nähens war.

Wer ist Helle Jespersen?

Geleitet wird der Kurs von der erfahrenen dänischen Segelmachermeisterin Helle Jespersen.

Damit wird das historische Handwerk nicht lediglich museal erklärt, sondern von jemandem vermittelt, der die entsprechenden Techniken fachlich beherrscht.

Gerade bei alten Handwerken ist das entscheidend.

Vieles lässt sich fotografieren, dokumentieren und in Ausstellungsvitrinen zeigen. Bewegungsabläufe, der Umgang mit Werkzeugen und das Gefühl für Material werden dagegen am besten weitergegeben, indem jemand sie praktisch zeigt und andere sie selbst ausprobieren lässt.

Genau darin liegt der Wert solcher Workshops.

Das Museum bewahrt nicht nur fertige Gegenstände, sondern auch Wissen darüber, wie sie hergestellt und bearbeitet wurden.

Warum die Gruppe so klein ist

An der Hafenmanufaktur nehmen höchstens zwölf Personen teil.

Für einen zweitägigen Handwerkskurs ist das sinnvoll.

Wer mit ungewohnten Werkzeugen und kräftigem Material arbeitet, braucht zwischendurch individuelle Unterstützung. Ein Handgriff lässt sich aus der Nähe wesentlich besser korrigieren als aus der letzten Reihe eines großen Workshops.

Außerdem entsteht dadurch eine Arbeitsatmosphäre, die zum Ort passt.

Zwölf Menschen, Segeltuch, Werkzeug und ein historischer Frachtraum sind etwas anderes als eine große Besuchergruppe, die innerhalb von zwanzig Minuten durch ein Mitmachangebot geschleust wird.

Hier ist tatsächlich Zeit vorgesehen, sich mit dem Handwerk zu beschäftigen.

Die PEKING ist mehr als eine Kulisse

Natürlich könnte man Segelmachertechniken auch an Land lernen.

Auf der PEKING verändert sich jedoch die Wahrnehmung.

Wer während der Arbeit weiß, dass über ihm die Takelage eines großen Frachtseglers steht, versteht unmittelbar, weshalb dieses Handwerk einmal von großer Bedeutung war.

Die Dimensionen werden sichtbar.

Auf einem Segelschiff dieser Größe waren Segel keine nostalgischen Accessoires, sondern Teil des Antriebssystems.

Das macht den Workshop zugleich zu einer ungewöhnlichen Form der Geschichtsvermittlung.

Man liest nicht nur, wie Menschen früher gearbeitet haben.

Man benutzt die Hände.

Und manche Dinge versteht man tatsächlich besser, nachdem man versucht hat, eine Nadel durch widerstandsfähiges Material zu bekommen.

Hamburg und das Segelmacherhandwerk

Auch der Standort passt.

Hamburgs Entwicklung ist seit Jahrhunderten mit Hafen, Handel und Schifffahrt verbunden. Rund um einen großen Hafen entstanden zahlreiche spezialisierte Berufe und Betriebe, die Schiffe ausrüsteten, reparierten und versorgten.

Dazu gehörten auch Handwerke, deren Bedeutung heute im normalen Stadtbild kaum noch sichtbar ist.

Das Deutsche Hafenmuseum beschäftigt sich genau mit dieser Arbeitswelt.

Es zeigt Hafen- und Schifffahrtsgeschichte nicht ausschließlich über Schiffe und technische Großobjekte, sondern auch über die Menschen und Berufe, ohne die ein Hafen nicht funktioniert hätte.

Die Hafenmanufaktur fügt sich deshalb sehr schlüssig in das Museumskonzept ein.

Für wen ist der Segelmacher Workshop geeignet?

Für Menschen, die historische Handwerke mögen, ist der Kurs eine außergewöhnliche Gelegenheit.

Ebenso interessant ist er für Segler, maritime Enthusiasten und Besucher, die ein Museum lieber praktisch als ausschließlich betrachtend erleben.

Man muss jedoch kein Segler sein.

Auch besondere Textiltechniken und traditionelle Handarbeit stehen im Mittelpunkt.

Das Mindestalter liegt bei zwölf Jahren.

Vorkenntnisse im Segelmachen sind nicht erforderlich.

Da über zwei Tage praktisch gearbeitet wird, sollte allerdings echtes Interesse am Handwerk vorhanden sein. Wer lediglich einmal fünf Minuten etwas ausprobieren möchte, findet hier nicht das passende Format.

Wie viel Zeit sollte man einplanen?

Sehr viel mehr als bei einem gewöhnlichen Museumsbesuch.

Der Workshop erstreckt sich über zwei Tage.

Bei den für 2026 veröffentlichten Kursen wurde jeweils von 10 bis 17 Uhr gearbeitet.

Damit handelt es sich um einen richtigen Wochenendkurs und nicht um eine kurze Vorführung.

Für 2026 waren unter anderem Termine am 25. und 26. April sowie am 26. und 27. September vorgesehen.

Da solche Spezialkurse nur zu ausgewählten Terminen angeboten werden, sollte vor einer geplanten Reise immer der aktuelle Veranstaltungskalender des Deutschen Hafenmuseums geprüft werden.

Termine und Anmeldung

Die Hafenmanufaktur Segelmachen wird nicht täglich angeboten.

Die Teilnahme erfolgt nach vorheriger Anmeldung zu den jeweils veröffentlichten Workshopterminen.

Durch die Begrenzung auf maximal zwölf Teilnehmer ist eine frühzeitige Buchung sinnvoll.

Wer ausschließlich wegen dieses Workshops nach Hamburg fährt, sollte den Termin zunächst verbindlich bestätigen, bevor Unterkunft oder weitere Reiseleistungen gebucht werden.

Was nimmt man mit nach Hause?

Im wörtlichen Sinn eine selbst gefertigte Tasche oder einen Beutel.

Interessanter ist vermutlich das Wissen, das daran hängt.

Nach zwei Tagen betrachtet man Segeltuch, Nähte und historische Segel mit anderen Augen. Man weiß zumindest ansatzweise, welche Arbeit hinter einem Material steckt, das auf einem Großsegler enormen Belastungen standhalten musste.

Das eigene Werkstück wird dadurch fast zu einer Erinnerung an eine Arbeitstechnik, die früher zum Alltag der Schifffahrt gehörte.

Was lässt sich mit dem Besuch verbinden?

Wer für den Workshop ohnehin in den Hansahafen fährt, sollte genügend Zeit für die PEKING und das Deutsche Hafenmuseum einplanen.

Gerade nach einem Tag Segelmacherhandwerk bekommen viele Details des Schiffes einen anderen Zusammenhang.

Masten, Takelage, Luken und Frachträume wirken weniger wie einzelne historische Objekte und mehr wie Bestandteile eines komplexen Arbeitsplatzes.

Auch die Lage im historischen Hafenbereich macht den Besuch interessant für alle, die Hamburg einmal abseits der klassischen Innenstadt und der üblichen Hafenrundfahrt kennenlernen möchten.

Framania Fazit

Es gibt historische Handwerke, die man in einem Museum hervorragend erklären kann. Und es gibt solche, die erst richtig verständlich werden, wenn man das Material selbst in den Händen hält.

Segelmachen gehört zur zweiten Kategorie.

Im Frachtraum der PEKING zu sitzen und selbst mit Segeltuch zu arbeiten, verbindet einen außergewöhnlichen Ort mit einem Handwerk, das genau dort seine Berechtigung hat.

Dabei versucht der Kurs vernünftigerweise nicht, aus Besuchern innerhalb eines Wochenendes Segelmacher zu machen. Stattdessen konzentriert er sich auf grundlegende Techniken und ein Werkstück, das tatsächlich fertig werden kann.

Gerade das macht die Unternehmung glaubwürdig.

Am Ende nimmt man eine selbst gefertigte Tasche oder einen Beutel mit nach Hause. Viel interessanter dürfte allerdings der Moment sein, wenn man anschließend wieder an Deck steht, nach oben in die Takelage schaut und zum ersten Mal eine ungefähre Vorstellung davon hat, wie viel handwerkliche Arbeit einst in den Segeln eines solchen Schiffes steckte.

Für Framania ist die Hafenmanufaktur deshalb weit mehr als ein weiterer Kreativworkshop.

Sie macht ein fast verschwundenes maritimes Handwerk dort wieder greifbar, wo es hingehört: auf einem echten historischen Großsegler.

Adresse & Informationen

Deutsches Hafenmuseum
Schuppen 50A / PEKING
Australiastraße 6
20457 Hamburg

Erlebnis: traditionelles Segelmacherhandwerk selbst ausprobieren
Workshop: Hafenmanufaktur Segelmachen
Veranstaltungsort: Frachtraum der Viermastbark PEKING
Dauer: zweitägiger Wochenendkurs, bei den veröffentlichten Terminen jeweils 10 bis 17 Uhr
Teilnehmerzahl: maximal 12 Personen
Mindestalter: 12 Jahre
Vorkenntnisse: nicht erforderlich
Werkstück: eigene Tasche oder eigener Beutel
Leitung: Segelmachermeisterin Helle Jespersen
Termine: nur zu ausgewählten Workshopterminen
Buchung: vorherige Anmeldung erforderlich
Besonderheit: Das traditionelle Handwerk wird nicht nur vorgeführt. Die Teilnehmer arbeiten selbst mit dem Material und fertigen im Frachtraum eines historischen Frachtseglers ein eigenes Werkstück.