Selbst schweißen im Kliemannsland
Wenn zum ersten Mal die Funken fliegen
Das Schutzvisier klappt herunter. Das Schweißgerät setzt an. Für einen kurzen Moment wird es grell, Funken springen über die Werkbank und dort, wo vorher zwei einzelne Metallstücke lagen, entsteht eine Verbindung.
Im Kliemannsland in Rüspel kann man genau diesen Moment selbst erleben.
In der Metallwerkstatt des bekannten DIY-Hofs zwischen Hamburg und Bremen lernen Anfänger, wie Schutzgasschweißen funktioniert. Wer zunächst nur ausprobieren möchte, zieht im Grundkurs seine ersten eigenen Schweißnähte und fertigt ein Namensschild aus Metall. Wer mehrere Stunden in der Werkstatt verbringen möchte, geht deutlich weiter und baut beispielsweise einen Schwenkgrill oder Ofen, der anschließend mit nach Hause kommt.
Vorkenntnisse braucht man dafür nicht.
Respekt vor Hitze, Werkzeug und Metall dagegen schon.
Was passiert beim Schweißen eigentlich?
Von außen sieht eine Schweißnaht zunächst nach einer vergleichsweise einfachen Verbindung aus.
Tatsächlich steckt dahinter ein Verfahren, bei dem Werkstoffe dauerhaft miteinander verbunden werden. Beim Schweißen entsteht durch große Hitze ein Schmelzbad. Die beteiligten Materialien werden im Bereich der späteren Verbindung aufgeschmolzen und verbinden sich beim Erstarren miteinander.
Im Kliemannsland lernen die Teilnehmer das MAG-Schweißen, also Metall-Aktivgasschweißen.
Dabei wird ein Schweißdraht kontinuierlich durch das Schweißgerät zur Schweißstelle geführt. Gleichzeitig schützt ein Gas den Bereich, in dem geschweißt wird, vor störenden Einflüssen der Umgebungsluft.
Das klingt in der Theorie zunächst technisch.
Sobald man das Gerät selbst in der Hand hält, wird daraus eine Frage von Bewegung und Gefühl.
Wie schnell führe ich das Schweißgerät? Wie weit halte ich es vom Werkstück entfernt? In welchem Winkel arbeite ich? Und wie entsteht eine gleichmäßige Naht?
Genau das lässt sich hier ausprobieren.
Die erste eigene Schweißnaht
Wer noch nie geschweißt hat und zunächst wissen möchte, ob ihm das Handwerk überhaupt liegt, kann mit dem Grundkurs beginnen.
Der Kurs dauert zwei Stunden und kombiniert Theorie und Praxis.
Etwa eine Stunde ist für Grundlagen vorgesehen, anschließend geht es selbst ans Schweißgerät.
Die Teilnehmer lernen die Grundzüge des MAG-Schweißens kennen und ziehen ihre ersten eigenen Nähte.
Das klingt unspektakulärer, als es sich in der Werkstatt anfühlt.
Denn beim ersten Versuch muss man sich zunächst daran gewöhnen, dass man durch das Schutzvisier arbeitet, das Schweißgerät kontrolliert führen muss und unmittelbar vor einem ein Prozess stattfindet, bei dem Metall durch große Hitze verbunden wird.
Am Ende bleibt es nicht bei Übungsnähten.
Jeder Teilnehmer fertigt ein eigenes geschweißtes Namensschild an und kann es anschließend mit nach Hause nehmen.
Noch besser: ein richtiges Metallprojekt bauen
Wer nicht nur testen möchte, wie Schweißen funktioniert, kann im Kliemannsland wesentlich tiefer einsteigen.
In den längeren Projektkursen entsteht aus einzelnen Metallteilen tatsächlich ein Gebrauchsgegenstand.
Aktuell werden unter anderem Kurse angeboten, in denen Schwenkgrills und Öfen gebaut werden. Auch Kunstschweißen gehört zum Programm.
Je nach ausgewähltem Projekt verbringt man vier bis sechs Stunden in der Werkstatt.
Ein Schwenkgrill beispielsweise entsteht in einem etwa sechsstündigen Kurs und erreicht nach Angaben des Kliemannslands rund zwei Meter Höhe. Der Grillrost hat einen Durchmesser von ungefähr 47 Zentimetern.
Ein Felgenofen entsteht in rund vier Stunden, ein Rohrofen benötigt etwa sechs Stunden.
Das ist dann kein kurzes Hineinschnuppern mehr.
Man arbeitet einen großen Teil des Tages an einem eigenen Werkstück und nimmt das fertige Ergebnis anschließend mit nach Hause.
MAG-Schweißen für absolute Anfänger
Niemand muss vorher wissen, wie ein Schweißgerät eingestellt oder eine saubere Naht gezogen wird.
Die Kurse sind ausdrücklich für Anfänger konzipiert.
Vor der praktischen Arbeit gibt es eine theoretische und praktische Einweisung. Geräte, Materialien und Schutzausrüstung werden vom Kliemannsland gestellt.
Bei den Projektkursen sind auch die benötigten Materialien bereits vorbereitet.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Profis das Werkstück bauen und die Teilnehmer danebenstehen.
Die Idee ist genau umgekehrt: Man soll selbst arbeiten und dabei lernen, wie das Werkzeug richtig eingesetzt wird.
Warum eine saubere Schweißnaht gar nicht so einfach ist
Eine gute Schweißnaht entsteht nicht allein dadurch, dass zwei Metallteile heiß genug werden.
Die Bewegung muss möglichst kontrolliert sein. Geschwindigkeit, Abstand und Position des Schweißgeräts beeinflussen das Ergebnis.
Wer zu schnell arbeitet, riskiert eine unzureichende Verbindung. Wer zu langsam arbeitet oder zu viel Wärme einbringt, kann das Material unnötig stark erhitzen.
Auch die Vorbereitung des Werkstücks spielt eine Rolle.
Deshalb erkennt man bei professionellen Schweißarbeiten häufig sehr gleichmäßige Nähte.
Beim ersten eigenen Versuch sieht das möglicherweise noch anders aus.
Gerade darin liegt aber der Reiz des Workshops.
Nach wenigen Minuten versteht man wesentlich besser, warum Schweißen ein Ausbildungsberuf beziehungsweise Bestandteil verschiedener Metallberufe ist und weshalb Erfahrung an einer professionellen Naht sichtbar werden kann.
Flex und Schweißgerät statt Basteltisch
Das Kliemannsland besitzt dafür eine vollständig eingerichtete Werkstatt.
Zur Ausstattung gehören unter anderem Schutzgas-Schweißgeräte, Elektroden-Schweißgerät, Trenn- und Winkelschleifer, Plasmaschneider, Bandsäge, Bohrmaschinen und zahlreiche weitere Werkzeuge für Metall- und Holzarbeiten.
Die Metallwerkstatt verfügt zudem über ein eigenes Metalllager.
Dadurch findet der Kurs nicht in einem provisorischen Workshopraum statt.
Man arbeitet dort, wo tatsächlich gebaut wird.
Und genau diese Werkstattatmosphäre gehört zum Erlebnis.
Was ist das Kliemannsland eigentlich?
Wer das Kliemannsland nur aus Videos kennt, könnte den Ort leicht für eine Filmkulisse halten.
Tatsächlich befindet sich der DIY-Hof in Rüspel, einem kleinen Ort im Landkreis Rotenburg (Wümme), direkt an der A1 zwischen Hamburg und Bremen.
Auf dem Gelände wird gebaut, ausprobiert, entwickelt und veranstaltet.
Es gibt Werkstätten, Atelier, Innenhof, Café, Skatepark und zahlreiche ungewöhnliche Konstruktionen und Projekte. Daneben werden regelmäßig Workshops angeboten.
Die Werkstätten spielen dabei eine zentrale Rolle.
Hier entstehen nicht nur Kursprojekte. Das Kliemannsland entwickelt und baut auch Kulissen, Prototypen, Spielgeräte und andere Spezialanfertigungen.
Für einen Schweißkurs ist das eine passende Umgebung.
Der Ort versucht gar nicht erst, wie eine makellose Kurswerkstatt auszusehen. Er lebt davon, dass Dinge ausprobiert, gebaut, verändert und gelegentlich neu erfunden werden.
Was kann man beim Schweißkurs bauen?
Das aktuelle Programm unterscheidet zwischen dem Einstiegskurs und umfangreicheren Projekten.
Im Grundwissen-Schweißkurs entsteht ein eigenes geschweißtes Namensschild.
Bei den größeren Kursen stehen verschiedene Projekte zur Auswahl.
Dazu gehören unter anderem:
Schwenkgrill
Felgenofen
Rohrofen
Kunstschweißprojekt
Außerdem bietet das Kliemannsland wechselnde Schweißprojekte für Haus und Garten an.
Das konkrete Angebot sollte deshalb vor der Buchung geprüft werden.
Wer nur einmal herausfinden möchte, ob Schweißen überhaupt Spaß macht, ist mit dem zweistündigen Einstieg gut bedient.
Wer dagegen einen halben Tag Werkstatt möchte, sollte einen Projektkurs wählen.
Sicherheit gehört hier zwingend dazu
Schweißen bedeutet hohe Temperaturen, Funkenflug und intensive Strahlung.
Entsprechend wichtig ist die Schutzkleidung.
Das Kliemannsland stellt die passende Schutzausrüstung für den eigentlichen Schweißvorgang zur Verfügung.
Teilnehmer sollen außerdem selbst geeignete Kleidung tragen.
Empfohlen werden langärmlige, schwer entflammbare Sachen, die schmutzig werden dürfen, beispielsweise Jeans und ein Baumwoll- oder Flanelloberteil.
Geschlossene Schuhe sind Pflicht.
Synthetische Materialien wie Polyester oder Nylon sind wegen des Funkenflugs ungeeignet. Sandalen haben in einer Metallwerkstatt ebenfalls nichts verloren.
Das Mindestalter für die regulären Schweißkurse beträgt 18 Jahre.
Für wen ist der Schweißkurs geeignet?
Vor allem für Menschen, die gern praktisch arbeiten.
Man muss weder Heimwerker noch technisch besonders erfahren sein. Gerade absolute Anfänger sind ausdrücklich angesprochen.
Interessant ist der Kurs deshalb auch für Menschen, die sonst kaum Berührung mit Metallbearbeitung haben.
Wer im Alltag am Schreibtisch sitzt und noch nie ein Schweißgerät in der Hand hatte, bekommt hier innerhalb weniger Stunden einen ziemlich deutlichen Kontrast zum normalen Arbeitstag.
Auch als gemeinsames Erlebnis für Freunde, Paare oder kleine Gruppen funktioniert der Kurs.
Pro regulärem Schweißkurs sind maximal zehn Teilnehmer vorgesehen.
Zuschauer können während des Kurses allerdings nicht einfach mit in die Werkstatt kommen. Begleitpersonen können die Zeit beispielsweise im Café auf dem Gelände verbringen.
Wie lange dauert das Erlebnis?
Das hängt davon ab, wie weit man gehen möchte.
Der Grundkurs dauert zwei Stunden. Dabei entfallen ungefähr eine Stunde auf Theorie und eine Stunde auf die praktische Arbeit.
Die Projektkurse sind umfangreicher.
Für Kunstschweißen und Felgenofen werden aktuell etwa vier Stunden angegeben.
Beim Rohrofen und beim großen Schwenkgrill sollte man mit ungefähr sechs Stunden rechnen.
Damit lässt sich das Erlebnis sehr gut nach dem eigenen Interesse auswählen: vom ersten Kontakt mit dem Schweißgerät bis zum nahezu vollständigen Werkstatttag.
Preisklasse
€€–€€€
Der Grundwissen-Schweißkurs wird aktuell regulär für 95 Euro pro Person angeboten.
Die größeren Projektkurse beginnen derzeit bei etwa 190 Euro; einzelne Varianten beziehungsweise Projekte liegen darüber. Für den Kurs „Bau dir was für deinen Garten“ werden aktuell beispielsweise 220 Euro ausgewiesen.
Material, Schweißgeräte und Schutzausrüstung sind bei den entsprechenden Kursen enthalten.
Da das Kliemannsland gelegentlich vergünstigte Restplätze anbietet und die Preise je nach Projekt variieren, sollte für Framania immer der Preis des konkret gewünschten Termins geprüft werden.
Termine und Buchung
Die Schweißkurse werden zu festen Terminen angeboten und müssen vorab gebucht werden.
Der Hof selbst ist regulär samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Schweißkurs ist jedoch kein Walk-in-Angebot, bei dem man spontan in die Werkstatt geht und ein Gerät einschaltet.
Für die Kurse wird ein eigener Platz gebucht.
Das ist angesichts der Geräte, der fachlichen Anleitung und der begrenzten Teilnehmerzahl auch sinnvoll.
Kein Schweißschein – sondern ein echtes Erlebnis
Ein wichtiger Unterschied sollte klar sein.
Der Kurs ersetzt keine berufliche Schweißausbildung und führt auch nicht zu einem anerkannten Schweißschein.
Darum geht es ausdrücklich nicht.
Man lernt die Grundlagen, arbeitet unter Anleitung mit professioneller Ausrüstung und bekommt einen praktischen Eindruck vom MAG-Schweißen.
Für jemanden, der später beruflich Schweißarbeiten ausführen möchte, wäre selbstverständlich eine entsprechende fachliche Qualifikation notwendig.
Für einen Menschen, der einmal selbst erfahren möchte, wie sich Metall mit einem Schweißgerät bearbeiten lässt, erfüllt der Kurs einen ganz anderen Zweck.
Und genau deshalb gehört er in diese Sammlung.
Framania-Fazit
Man kann lange erklären, wie Schweißen funktioniert.
Interessant wird es in dem Moment, in dem das Visier herunterklappt.
Plötzlich hält man das Gerät selbst in der Hand. Vor einem liegen zwei Metallteile, der Lichtbogen entsteht und die ersten Funken fliegen durch die Werkstatt.
Wahrscheinlich ist die erste Schweißnaht nicht die schönste, die jemals im Kliemannsland entstanden ist.
Das spielt aber überhaupt keine Rolle.
Denn wenige Minuten zuvor hätte man vielleicht noch nicht gewusst, wie man ein Schweißgerät überhaupt richtig hält.
Besonders reizvoll finden wir deshalb die längeren Kurse. Nach vier oder sechs Stunden verlässt man die Werkstatt nicht nur mit ein paar Übungsnähten, sondern beispielsweise mit einem selbst geschweißten Ofen oder einem zwei Meter hohen Schwenkgrill.
Ein Gegenstand, den man später tatsächlich benutzen kann.
Und jedes Mal, wenn jemand fragt, wo der herkommt, lautet die Antwort:
Den habe ich selbst geschweißt.
Adresse & Informationen
Kliemannsland
Eichenstraße 14
27404 Rüspel
Landkreis Rotenburg (Wümme)
Erlebnis: selbst MAG-Schweißen lernen und Metall bearbeiten
Grundkurs: erste Schweißnähte ziehen und eigenes Namensschild herstellen
Projektkurse: unter anderem Schwenkgrill, Felgenofen, Rohrofen und Kunstschweißprojekte
Dauer: Grundkurs 2 Stunden; Projektkurse je nach Werkstück etwa 4 bis 6 Stunden
Preis: Grundkurs aktuell regulär 95 Euro; größere Projektkurse ab etwa 190 Euro, je nach Projekt
Teilnehmerzahl: maximal 10 Personen pro Schweißkurs
Mindestalter: 18 Jahre
Vorkenntnisse: nicht erforderlich
Ausrüstung: Schweißgeräte, Materialien und erforderliche Schutzausrüstung werden gestellt
Kleidung: langärmlig, möglichst schwer entflammbar und unempfindlich; geschlossene Schuhe; keine leicht schmelzenden Synthetikstoffe
Mitnehmen: das im jeweiligen Kurs selbst gebaute Werkstück
Qualifikation: Freizeit- und Einsteigerkurs, kein Schweißschein
Buchung: Kursplatz vorab buchen
Hoföffnung: regulär Samstag und Sonntag, 11 bis 17 Uhr