Ein Vier-Gänge-Menü in völliger Dunkelheit essen

Wie viel von dem, was wir schmecken, entsteht eigentlich schon durch das, was wir sehen? Im Dialoghaus Hamburg lässt sich diese Frage auf eine ziemlich unmittelbare Art beantworten. Beim Dinner in the Dark wird ein komplettes Vier-Gänge-Menü in völliger Dunkelheit serviert. Nicht bei Kerzenschein, nicht in einem schwach beleuchteten Restaurant und auch nicht mit einer Schlafmaske vor den Augen. Der Raum bleibt dunkel.

Damit verändert sich eine der selbstverständlichsten Situationen des Alltags. Das Glas steht irgendwo vor einem, Besteck und Teller müssen ertastet werden und beim ersten Bissen fehlt die optische Information, die normalerweise längst verraten hätte, was man gerade isst.

Geruch, Geschmack und Konsistenz bekommen plötzlich eine andere Bedeutung. Vertraute Zutaten können überraschend schwer einzuordnen sein, wenn Farbe, Form und Anrichtung fehlen. Gleichzeitig nimmt man Kleinigkeiten wahr, über die man bei einem normalen Restaurantbesuch kaum nachdenken würde.

Das Dinner dauert rund drei Stunden. Nach einem Sektempfang geht es in die Dunkelheit zum Vier-Gänge-Menü; zum Abschluss gehört ein Digestif zum Arrangement. Bei der Buchung kann zwischen Fleisch, vegetarischer und veganer Variante gewählt werden. Welche einzelnen Komponenten anschließend serviert werden, soll jedoch gerade nicht vorher verraten werden.

Was ist das Besondere?

Das Dinner in the Dark im Dialoghaus ist nicht einfach ein Restaurant mit einem ungewöhnlichen Beleuchtungskonzept. Blinde und sehbehinderte Gastgeber begleiten die Gäste durch den Abend und übernehmen in der Dunkelheit die Orientierung.

Damit drehen sich für einige Stunden die gewohnten Rollen um. Wer im Alltag selbstverständlich sieht, ist plötzlich auf Hinweise und Unterstützung angewiesen. Menschen, die sich täglich ohne oder mit stark eingeschränktem Sehvermögen orientieren, bewegen sich dagegen souverän durch diese Umgebung.

Dieser Perspektivwechsel gehört zum Grundgedanken des Dialoghauses. Das Essen macht ihn besonders greifbar, weil dabei so viele alltägliche Handgriffe zusammenkommen. Wo steht mein Glas? Wie voll ist es? Was befindet sich auf meiner Gabel? Und kann ich eine Zutat tatsächlich am Geschmack erkennen, wenn ich sie vorher nicht gesehen habe?

Interessant ist auch, wie sich Gespräche verändern. Kleidung, Mimik oder der Blick zum Nachbartisch verschwinden. Übrig bleiben Stimmen, Geräusche und die Menschen, mit denen man am Tisch sitzt.

Für wen geeignet?

Für Paare: Ein Abendessen, bei dem selbst eine vertraute Person plötzlich nur noch über Stimme, Berührung und Gespräch wahrgenommen wird.

Für Freundesgruppen: Besonders unterhaltsam wird es, wenn anschließend verglichen wird, wer welche Zutaten erkannt hat und wer mit seinen Vermutungen vollkommen danebenlag.

Für neugierige Genießer: Wer Essen nicht nur konsumieren, sondern Geschmack und Wahrnehmung einmal bewusst hinterfragen möchte, erlebt hier einen ungewöhnlichen Zugang.

Für Menschen, die einen Perspektivwechsel suchen: Das Konzept vermittelt auf sehr direkte Weise, wie stark Sehende ihre Umgebung normalerweise über die Augen erschließen.

Für besondere Anlässe: Geburtstage, Jahrestage oder ein gemeinsamer Hamburg-Besuch bekommen hier einen Programmpunkt, der deutlich länger im Gedächtnis bleiben dürfte als ein gewöhnliches Restaurantessen.

Preisklasse: €€€

Das Dinner in the Dark kostet nach aktuellem Stand 79,90 Euro pro Person. Enthalten sind Sektempfang, Vier-Gänge-Menü und Digestif. Das Erlebnis dauert insgesamt rund drei Stunden.

Termine werden aktuell freitags und samstags angeboten. Da Veranstaltungen, Preise und verfügbare Termine geändert werden können, empfiehlt sich eine vorherige Reservierung und ein Blick auf die aktuellen Buchungsbedingungen.

Framania-Fazit

Es gibt Erlebnisrestaurants, bei denen hauptsächlich die Kulisse außergewöhnlich ist. Im Dialoghaus passiert etwas anderes: Hier verändert eine einzige fehlende Information den gesamten Abend.

Man merkt, wie selbstverständlich wir einen Teller erst mit den Augen erfassen, bevor wir überhaupt probiert haben. Ohne diesen ersten Eindruck werden Gerüche deutlicher, Konsistenzen wichtiger und vermeintlich bekannte Geschmäcker plötzlich erstaunlich rätselhaft.

Dass blinde und sehbehinderte Menschen durch diese ungewohnte Situation führen, gibt dem Erlebnis eine zusätzliche Ebene. Für einige Stunden sind nicht sie diejenigen, die Orientierung benötigen.

Genau deshalb gehört das Dinner in the Dark für uns zu den außergewöhnlicheren Unternehmungen in Hamburg: Man geht zum Essen und entdeckt dabei, wie sehr Wahrnehmung davon abhängt, welcher unserer Sinne gerade die Führung übernimmt.

Auf einen Blick

Erlebnis: Dinner in the Dark
Ort: Dialoghaus Hamburg
Adresse: Alter Wandrahm 4, 20457 Hamburg
Dauer: rund 3 Stunden
Menü: Vier-Gänge-Menü; Fleisch, vegetarisch oder vegan wählbar
Preis: aktuell 79,90 € pro Person
Preisklasse: €€€
Für wen: Paare, Freunde, neugierige Genießer und alle, die ein außergewöhnliches Dinner erleben möchten
Besonderheit: Essen in vollständiger Dunkelheit, begleitet von blinden und sehbehinderten Gastgebern