Schwarz-Weiß-Film selbst entwickeln in Hamburg

Wenn das Foto längst aufgenommen ist – aber noch niemand es sehen kann

Der Auslöser ist längst gedrückt.

Vielleicht vor Tagen. Vielleicht vor Wochen.

Auf dem Film befinden sich die Aufnahmen bereits. Trotzdem gibt es kein Display, auf dem man sie kontrollieren könnte, keine Vorschau und keinen zweiten Versuch. Solange der Film nicht entwickelt wurde, bleiben die Bilder verborgen.

In Hamburg kann man genau diesen fast verschwundenen Teil der Fotografie selbst erleben.

Bei einem Dunkelkammer-Workshop der Deichtorhallen Hamburg bringt jeder Teilnehmer einen bereits belichteten Schwarz-Weiß-Film mit. Im Fotolabor wird dieser anschließend selbst entwickelt. Erst danach zeigt sich, was die Kamera tatsächlich festgehalten hat.

Damit endet das Erlebnis aber noch nicht.

Aus den entstandenen Negativen werden Kontaktabzüge auf Fotopapier hergestellt. Man arbeitet mit Licht, unterschiedlichen Belichtungszeiten und verschiedenen Lichthärten und bekommt einen Eindruck davon, wie aus einem Negativ ein analoges Bild auf Papier entsteht.

Fotografie wird hier wieder zu einem Prozess.

Was befindet sich eigentlich auf einem unbelichteten Film?

Ein klassischer Schwarz-Weiß-Film besteht nicht einfach aus einem Kunststoffstreifen.

Auf seinem Trägermaterial befindet sich eine lichtempfindliche fotografische Emulsion.

Beim Fotografieren trifft Licht durch das Objektiv auf diese Schicht. Dort entsteht zunächst ein sogenanntes latentes Bild.

Es ist vorhanden, aber noch nicht sichtbar.

Genau deshalb darf ein belichteter Film nicht einfach aus der Patrone gezogen und im Hellen betrachtet werden.

Licht würde die noch empfindliche Emulsion weiter belichten und die Aufnahmen beschädigen oder vollständig unbrauchbar machen.

Erst durch die chemische Entwicklung wird aus dem latenten Bild ein sichtbares Negativ.

Der spannendste Moment beginnt deshalb im Dunkeln

Bevor die eigentliche chemische Entwicklung beginnen kann, muss der Film vorbereitet werden.

Dabei darf kein normales Raumlicht auf das noch unentwickelte Material fallen.

Das ist einer der Momente, in denen analoge Fotografie plötzlich sehr körperlich wird.

Was sonst mit den Augen kontrolliert wird, muss teilweise ertastet werden.

Der Film wird für die Entwicklung vorbereitet und in ein lichtdichtes Entwicklungssystem gebracht. Erst wenn er darin sicher vor Licht geschützt ist, kann wieder unter normalen Lichtbedingungen weitergearbeitet werden.

Für Menschen, die ausschließlich mit Smartphone oder Digitalkamera fotografiert haben, ist schon dieser Vorgang ungewöhnlich.

Man besitzt Bilder, die man selbst noch nie gesehen hat.

Dann kommt der Entwickler

Jetzt beginnt die eigentliche Filmentwicklung.

Eine spezielle Entwicklerchemie sorgt dafür, dass die während der Aufnahme belichteten Bereiche der fotografischen Emulsion sichtbar werden.

Zeit und Temperatur spielen dabei eine wichtige Rolle.

Fotochemie ist kein beliebiges Bad, in das der Film kurz eingetaucht wird.

Der Prozess muss kontrolliert ablaufen.

Anschließend wird die Entwicklung gestoppt beziehungsweise unterbrochen und das Material fixiert. Die Fixierung sorgt dafür, dass der Film anschließend nicht mehr in derselben Weise lichtempfindlich ist und schließlich bei normalem Licht betrachtet werden kann.

Danach wird gewässert und getrocknet.

Aus dem unscheinbaren Filmstreifen ist eine Reihe sichtbarer Negative geworden.

Warum heißt es Negativ?

Wer einen entwickelten Schwarz-Weiß-Film gegen das Licht hält, sieht die Welt zunächst gewissermaßen verkehrt herum.

Helle Bereiche des fotografierten Motivs erscheinen auf dem Negativ dunkel, dunkle Bereiche entsprechend heller.

Das liegt daran, dass Stellen, auf die während der Aufnahme viel Licht gefallen ist, nach der Entwicklung eine stärkere Schwärzung zeigen.

Das Negativ ist deshalb noch nicht das Bild, das später an der Wand hängen würde.

Es ist die fotografische Grundlage dafür.

Und genau diese lässt sich im Workshop anschließend weiterverarbeiten.

Vom Negativ zum Kontaktabzug

Nach der Filmentwicklung werden Kontaktabzüge hergestellt.

Dafür werden die Negative so genutzt, dass mehrere beziehungsweise sämtliche Aufnahmen eines Filmstreifens in kleiner Form auf einem Blatt Fotopapier sichtbar werden können.

Ein Kontaktbogen war über Jahrzehnte ein wichtiges Arbeitsmittel in der analogen Fotografie.

Fotografen konnten darauf ihre Aufnahmen beurteilen und entscheiden, welches Negativ anschließend vergrößert werden sollte.

Das berühmte einzelne Foto entstand also häufig erst nach einer Auswahl.

Im Hamburger Workshop lässt sich dieses Prinzip selbst nachvollziehen.

Plötzlich liegt nicht eine endlose digitale Bildergalerie vor einem, sondern eine begrenzte Zahl von Aufnahmen.

Jedes Bild entspricht einer tatsächlichen Belichtung des Films.

Licht wird zum Werkzeug

Bei der Arbeit mit fotografischem Papier entscheidet nicht nur das Motiv darüber, wie ein Bild aussieht.

Auch die Belichtung im Labor beeinflusst das Ergebnis.

Im Workshop wird deshalb mit unterschiedlichen Belichtungszeiten und Lichthärten gearbeitet.

Dadurch lässt sich unmittelbar beobachten, wie stark das Labor die Wirkung eines fotografischen Bildes beeinflussen kann.

Zu wenig Licht führt zu einem anderen Ergebnis als zu viel Licht. Kontraste können unterschiedlich wirken, Details hervortreten oder verloren gehen.

Damit wird verständlich, warum die Dunkelkammer früher nicht bloß der Ort war, an dem Fotografien technisch fertiggestellt wurden.

Sie war ein wesentlicher Teil der fotografischen Gestaltung.

Fotografieren war einmal nur die Hälfte der Arbeit

Heute endet der technische Vorgang einer Aufnahme praktisch in dem Moment, in dem der Auslöser gedrückt wird.

Das Bild erscheint unmittelbar.

Bei analoger Fotografie war das vollkommen anders.

Nach der Aufnahme begann ein zweiter Arbeitsprozess.

Filme mussten entwickelt, Negative beurteilt und Bilder anschließend auf Fotopapier gebracht werden.

Wer professionell arbeitete, konnte einen erheblichen Teil seiner Zeit im Labor verbringen.

Belichtung, Kontrast und Ausschnitt ließen sich dort weiter beeinflussen.

Ein Foto war deshalb nicht einfach das automatische Ergebnis einer Kamera.

Kamera und Dunkelkammer gehörten zusammen.

Warum Schwarz-Weiß?

Schwarz-Weiß-Fotografie eignet sich besonders gut, um die klassische Filmentwicklung kennenzulernen.

Der Prozess lässt sich vergleichsweise übersichtlich vermitteln und macht die grundlegenden Prinzipien analoger Fotografie unmittelbar verständlich.

Gleichzeitig reduziert Schwarz-Weiß ein Motiv auf Licht, Schatten, Formen, Strukturen und Kontraste.

Farbe kann nichts verdecken.

Das macht auch die spätere Betrachtung der Negative und Kontaktabzüge interessant.

Man beginnt automatisch, stärker auf Helligkeitsunterschiede und Bildaufbau zu achten.

Der eigene Film macht den Unterschied

Besonders gut gefällt uns an diesem Workshop, dass nicht irgendein vorbereiteter Übungsfilm entwickelt wird.

Die Teilnehmer bringen einen eigenen, bereits belichteten Schwarz-Weiß-Film mit.

Damit beginnt das Erlebnis eigentlich schon vor dem Workshop.

Man muss fotografieren.

Welche Motive darauf landen, entscheidet jeder selbst.

Vielleicht sind es Menschen. Architektur. Straßen. Landschaft. Ein Wochenende in Hamburg. Oder einfach zwölf, 24 beziehungsweise 36 Versuche, wieder bewusster zu fotografieren.

Danach bleibt der Film geschlossen.

Keine Vorschau.

Erst im Fotolabor kommt die Antwort.

36 Aufnahmen können plötzlich ziemlich viel sein

Digitale Fotografie hat die Menge praktisch bedeutungslos gemacht.

Von einem Motiv können zehn, zwanzig oder hundert Aufnahmen entstehen, ohne dass dadurch unmittelbar zusätzliche Materialkosten anfallen.

Ein analoger Film setzt eine Grenze.

Je nach verwendetem Film steht nur eine bestimmte Zahl von Bildern zur Verfügung.

Dadurch verändert sich häufig schon das Fotografieren.

Ist der Ausschnitt richtig? Ist das Licht gut? Möchte ich dafür tatsächlich ein Bild verwenden?

Natürlich macht diese Begrenzung ein Foto nicht automatisch besser.

Aber sie verändert die Aufmerksamkeit.

Und genau deshalb erlebt analoge Fotografie seit Jahren wieder Interesse – nicht als Ersatz für digitale Kameras, sondern als bewusst anderes Arbeiten.

Ein Fotoworkshop an einem passenden Ort

Veranstaltet wird der Workshop im Umfeld des Hauses der Photographie der Deichtorhallen Hamburg.

Die Deichtorhallen gehören zu den wichtigen Ausstellungshäusern für zeitgenössische Kunst und Fotografie in Hamburg.

Das Haus der Photographie widmet sich entsprechend intensiv dem fotografischen Medium.

Dass hier nicht nur fertige Bilder betrachtet werden, sondern auch der analoge Entstehungsprozess praktisch vermittelt wird, passt zum Ort.

Die Dunkelkammer wird dadurch zum Gegenstück zum Ausstellungsraum.

Dort hängt das fertige Bild.

Hier beginnt man beim Film.

Braucht man Erfahrung mit analoger Fotografie?

Nein.

Der Workshop ist ausdrücklich so angelegt, dass keine Vorkenntnisse in der Filmentwicklung erforderlich sind.

Das macht ihn auch für Menschen interessant, die vielleicht gerade erst eine alte analoge Kamera entdeckt oder sich bewusst eine gekauft haben.

Eine Voraussetzung gibt es allerdings:

Für den Kurs wird ein bereits belichteter Schwarz-Weiß-Film benötigt.

Wer teilnehmen möchte, sollte deshalb rechtzeitig vorher fotografieren und genau darauf achten, einen geeigneten Schwarz-Weiß-Film zu verwenden.

Der Film darf natürlich noch nicht entwickelt sein.

Für wen ist der Workshop geeignet?

Für Fotografiebegeisterte liegt die Antwort auf der Hand.

Besonders interessant ist er aber für Menschen, die bisher ausschließlich digital fotografiert haben.

Denn hier wird etwas sichtbar, das Smartphone und Digitalkamera vollständig automatisiert beziehungsweise abgeschafft haben.

Auch für kreative Menschen, Technikinteressierte und alle, die historische fotografische Verfahren kennenlernen möchten, ist das Erlebnis spannend.

Teilnehmen können laut aktuellem Angebot Erwachsene ab 18 Jahren.

Was nimmt man mit?

Zunächst vor allem den selbst entwickelten Film.

Damit besitzt man anschließend die Negative der eigenen Aufnahmen.

Hinzu kommt die Erfahrung mit Kontaktabzügen und fotografischem Papier.

Der eigentliche Wert liegt aber möglicherweise in etwas anderem.

Nach einigen Stunden im Labor versteht man plötzlich, was zwischen dem Drücken des Auslösers und einem analogen Foto passiert.

Das verändert den Blick auf Fotografie.

Auch dann, wenn man am nächsten Tag wieder das Smartphone aus der Tasche zieht.

Preisklasse

€

Der aktuell veröffentlichte Preis für den Workshop beträgt 45 Euro pro Person.

Eine ermäßigte Teilnahme wird derzeit mit 20 Euro angegeben.

Im regulären Workshoppreis ist nach Angaben der Deichtorhallen außerdem der reguläre Ausstellungseintritt enthalten.

Für einen mehrstündigen spezialisierten Fotolabor-Workshop ist das eine vergleichsweise moderate Preisklasse.

Termine und Buchung

Die Deichtorhallen bieten die analoge Filmentwicklung zu ausgewählten Terminen an.

Für Oktober 2026 sind unter anderem Veranstaltungen am 18. und 24. Oktober veröffentlicht.

Da die Plätze für einen praktischen Dunkelkammerkurs naturgemäß begrenzt sind, sollte vorab gebucht werden.

Vor einer längeren Anreise empfiehlt sich außerdem immer ein aktueller Termincheck, da Workshopdaten und Verfügbarkeit wechseln können.

Wichtig vor dem Workshop

Wer teilnehmen möchte, sollte nicht erst am Kurstag darüber nachdenken, welchen Film er entwickeln will.

Benötigt wird ein eigener, bereits belichteter und noch unentwickelter Schwarz-Weiß-Film.

Deshalb gehört zur Vorbereitung ein kleiner Auftrag an sich selbst:

Kamera nehmen.

Film einlegen.

Fotografieren.

Und danach der Versuchung widerstehen, irgendetwas sofort sehen zu wollen.

Für einen Moment wieder nicht wissen, ob das Foto gelungen ist

Vielleicht ist genau das heute das Außergewöhnlichste an analoger Fotografie.

Nicht die Chemie.

Nicht der Film.

Sondern die Ungewissheit.

Bei einer Digitalkamera kann unmittelbar kontrolliert werden, ob jemand geblinzelt hat, die Belichtung stimmt oder der Horizont schief ist.

Beim Film ist der Moment vorbei.

Das Bild steckt irgendwo auf einem schmalen Streifen lichtempfindlichen Materials.

Ob es gelungen ist, erfährt man später.

Im Dunkeln.

Framania-Fazit

Ein Foto machen können wir heute jederzeit.

Wir ziehen das Smartphone aus der Tasche, drücken auf den Bildschirm und sehen das Ergebnis praktisch im selben Moment.

Vielleicht ist es gerade deshalb so faszinierend, einmal wieder nicht zu wissen, was man fotografiert hat.

Beim Dunkelkammer-Workshop in Hamburg bringt man einen Film mit, auf dem die eigenen Bilder längst vorhanden sind.

Aber noch kann niemand sie sehen.

Dann beginnt die Arbeit.

Der Film wird vorbereitet, entwickelt, fixiert und gewässert. Irgendwann darf Licht an ihn heran.

Und plötzlich sind sie da.

Die Negative.

Danach entstehen Kontaktabzüge, Belichtungszeiten werden ausprobiert und aus etwas Unsichtbarem wird tatsächlich Fotografie.

Es ist kein nostalgisches Nachspielen einer vergangenen Technik.

Es ist ein Verfahren, das bis heute funktioniert.

Nur braucht es etwas, das uns digitale Fotografie fast vollständig abgewöhnt hat:

Geduld.

Und vielleicht schaut man deshalb ein wenig länger hin, wenn das eigene Bild endlich erscheint.

Adresse & Informationen

Deichtorhallen Hamburg / PHOXXI – Haus der Photographie Temporär
Deichtorstraße 1–2
20095 Hamburg

Erlebnis: eigenen Schwarz-Weiß-Film im Fotolabor entwickeln
Workshop: Analoge Filmentwicklung
Mitbringen: eigener, bereits belichteter und noch unentwickelter Schwarz-Weiß-Film
Inhalte: Filmentwicklung, Negative und Herstellung von Kontaktabzügen
Laborarbeit: unterschiedliche Belichtungszeiten und Lichthärten ausprobieren
Vorkenntnisse: nicht erforderlich
Mindestalter: 18 Jahre
Preis: aktuell 45 Euro
Ermäßigt: aktuell 20 Euro
Ausstellung: regulärer Eintritt laut aktuellem Angebot im Workshoppreis enthalten
Geprüfte Termine: unter anderem 18. und 24. Oktober 2026
Buchung: vorherige Anmeldung empfohlen beziehungsweise erforderlich; aktuelle Verfügbarkeit vor Anreise prüfen