Action Painting im Kliemannsland

Wenn Malen plötzlich eine ziemlich körperliche Angelegenheit wird

Die Leinwand steht bereit. Die Farben sind offen. Schutzkleidung an, Musik an – und dann darf etwas passieren, das in einem gewöhnlichen Malkurs vermutlich ziemlich schnell für Unruhe sorgen würde:

Die Farbe fliegt.

Beim Action Painting im Kliemannsland in Rüspel wird nicht sorgfältig vorgezeichnet und anschließend Fläche für Fläche ausgemalt. Hier darf Farbe gespritzt, gegossen, geschleudert und getropft werden. Der eigene Körper wird Teil des Malprozesses, Bewegung ersetzt den präzise geführten Pinselstrich.

Das Ergebnis lässt sich vorher kaum planen.

Und genau darum geht es.

In einem eigens dafür umgebauten Container entsteht auf einer Leinwand ein abstraktes Bild, das nicht nach einer Vorlage kopiert wird. Man reagiert auf Farben, Flächen und das, was wenige Sekunden zuvor auf dem Bild passiert ist.

Am Ende nimmt jeder sein eigenes Kunstwerk mit nach Hause.

Was ist Action Painting eigentlich?

Action Painting bezeichnet eine Form der abstrakten Malerei, bei der nicht allein das fertige Bild entscheidend ist.

Auch der Vorgang des Malens wird Teil des Werks.

Statt ausschließlich mit einem Pinsel kontrollierte Linien zu setzen, kann Farbe beispielsweise gegossen, gespritzt, getropft oder geschleudert werden. Bewegungen hinterlassen unmittelbare Spuren auf der Leinwand.

Dadurch entsteht ein Bild anders als bei klassischer gegenständlicher Malerei.

Es gibt kein Motiv, das möglichst genau getroffen werden muss.

Keine Vase muss wie eine Vase aussehen. Kein Gesicht muss die richtigen Proportionen besitzen. Niemand muss perspektivisch zeichnen können.

Farbe, Bewegung, Rhythmus und Zufall übernehmen einen Teil der Gestaltung.

Keine Skizze, keine Vorlage, kein richtig oder falsch

Das Kliemannsland setzt genau auf diese Freiheit.

Zu Beginn gibt es eine kurze Einführung in Material, Technik und Ablauf. Die betreuenden Künstler geben einen Startimpuls.

Danach wird selbst gearbeitet.

Es wird gespritzt, gegossen, geschleudert und getropft.

Musik begleitet den Workshop und soll dabei helfen, weniger darüber nachzudenken, ob eine Linie gerade oder ein Farbklecks an der vermeintlich richtigen Stelle sitzt.

Denn beim Action Painting gibt es diese eine richtige Stelle nicht.

Ein Klecks kann den nächsten auslösen. Eine Farbe kann teilweise überdeckt werden. Eine Bewegung zieht eine Spur über die gesamte Leinwand, während ein Tropfen nur einen kleinen Punkt hinterlässt.

Das Bild verändert sich mit jedem neuen Eingriff.

Warum Bewegung hier wichtiger ist als Zeichentalent

Viele Menschen sagen von sich, sie könnten nicht malen.

Beim Action Painting ist das fast irrelevant.

Wer ein realistisches Porträt malen möchte, braucht Kenntnisse über Proportionen, Licht, Schatten und Farbe. Beim freien abstrakten Arbeiten gelten andere Voraussetzungen.

Hier entscheidet weniger, ob jemand besonders gut zeichnen kann.

Interessanter ist die Frage: Was passiert, wenn Farbe aus größerer Entfernung auf die Leinwand trifft? Welche Spur hinterlässt eine schnelle Bewegung? Was geschieht, wenn dünne Farbe über eine bereits bemalte Fläche läuft?

Das Bild entsteht aus solchen Entscheidungen.

Deshalb können auch Menschen mitmachen, die seit dem Kunstunterricht in der Schule keinen Pinsel mehr in der Hand hatten.

Vorkenntnisse werden ausdrücklich nicht verlangt.

Werfen, klecksen, spritzen und gießen

Der Begriff Action Painting ist in diesem Fall ziemlich wörtlich zu verstehen.

Die Farbe bleibt nicht brav auf einer Palette.

Unterschiedliche Werkzeuge und Techniken sorgen dafür, dass sie auf verschiedene Weise auf die Leinwand gelangt.

Man kann Farbe werfen oder spritzen, sie tropfen und verlaufen lassen oder größere Flächen entstehen lassen.

Dadurch entwickelt jede Technik ihre eigene Handschrift.

Ein Wurf erzeugt andere Spuren als langsam laufende Farbe. Feine Spritzer wirken anders als kräftige Flächen.

Und weil mehrere Schichten übereinander entstehen können, verändert sich das Bild während des Workshops immer wieder.

Man muss irgendwann selbst entscheiden, wann genug tatsächlich genug ist.

Auch das gehört zum Malen.

Der Raum darf dreckig werden

Wer zu Hause schon einmal mit Farbe gearbeitet hat, kennt vermutlich die übliche Vorsicht.

Plane unterlegen. Möbel abdecken. Bloß nicht an die Wand kommen.

Im Kliemannsland ist Action Painting genau für das Gegenteil eingerichtet.

Der Workshop findet in einem umgebauten Container statt, in dem großflächiger und freier mit Farbe gearbeitet werden kann.

Das ist ein wichtiger Teil des Erlebnisses.

Denn Farbe wirklich zu schleudern macht wenig Spaß, wenn man gleichzeitig darüber nachdenken muss, ob der nächste Tropfen auf dem Wohnzimmerteppich landet.

Hier ist das Chaos einkalkuliert.

Schutzkleidung wird gestellt.

Trotzdem empfiehlt das Kliemannsland Kleidung, die notfalls einen Farbspritzer verträgt. Vollkommen ausschließen lässt sich bei dieser Art zu malen schließlich nicht, dass etwas dort landet, wo es ursprünglich nicht geplant war.

Was bekommt man für den Workshop?

Die notwendige Grundausstattung wird bereitgestellt.

Dazu gehören die Leinwand, Farben, Werkzeuge und Schutzkleidung.

Auch Anleitung, Raum und die musikalische Begleitung sind Bestandteil des Workshops.

Man muss also keine eigene Staffelei, Farben oder Malwerkzeuge mitbringen.

Das Entscheidende wartet am Ende:

Das entstandene Kunstwerk gehört dem Teilnehmer und kann mitgenommen werden.

Damit bleibt von dem Erlebnis nicht nur ein Foto.

Die Leinwand ist später ein ziemlich eindeutiger Beweis dafür, was passiert, wenn man Farbe einmal nicht möglichst kontrolliert behandelt.

Was hat das mit Jackson Pollock zu tun?

Action Painting ist kunsthistorisch vor allem mit dem abstrakten Expressionismus in den USA verbunden.

Einer der bekanntesten Namen ist Jackson Pollock.

Pollock arbeitete unter anderem mit Leinwänden, die auf dem Boden lagen. Farbe wurde nicht ausschließlich klassisch mit dem Pinsel aufgetragen, sondern beispielsweise getropft oder über die Fläche bewegt.

Die Bewegung des Künstlers wurde damit unmittelbar im Bild sichtbar.

Das bedeutete nicht, dass jedes Ergebnis rein zufällig entstand.

Entscheidungen über Farbe, Bewegung, Richtung, Dichte und Überlagerungen blieben Teil der Arbeit.

Genau dieses Grundprinzip macht Action Painting bis heute interessant: Ein Bild zeigt nicht nur ein Motiv.

Es kann auch die Spuren seiner Entstehung zeigen.

Der Workshop im Kliemannsland ist selbstverständlich kein kunsthistorisches Seminar und niemand soll dort einen Pollock kopieren.

Aber die Grundidee lässt sich unmittelbar erleben.

Kann man dabei überhaupt etwas falsch machen?

Technisch kann man natürlich unterschiedliche Ergebnisse erzielen.

Künstlerisch gibt es beim freien Action Painting jedoch keine Vorlage, an der das eigene Bild gemessen werden müsste.

Gerade das senkt die Hemmschwelle.

Man muss nicht überlegen, ob die gezeichnete Hand anatomisch korrekt aussieht oder der Horizont schief geraten ist.

Stattdessen kann man ausprobieren, welche Farben miteinander funktionieren und welche Bewegung eine bestimmte Spur erzeugt.

Das macht den Workshop auch für Menschen interessant, die sich selbst nicht als besonders kreativ bezeichnen.

Es geht weniger um Können als um Entscheidungen.

Und manchmal um den Mut, noch einmal Farbe über eine Stelle zu werfen, die eigentlich schon fertig aussah.

Für wen eignet sich Action Painting?

Eigentlich für jeden, der Lust auf Farbe und ein ungewöhnliches Kreativerlebnis hat.

Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Der Workshop funktioniert allein ebenso wie mit Freunden und wird vom Kliemannsland ausdrücklich auch für Gruppen, Geburtstage, Junggesellenabschiede und Teamevents angeboten.

Gerade in einer Gruppe kann das Format interessant sein, weil nicht alle konzentriert schweigend an identischen Vorlagen arbeiten.

Jeder entwickelt sein eigenes Bild.

Wer klassische Malkurse als zu ruhig oder zu technisch empfindet, könnte mit Action Painting deshalb deutlich mehr anfangen.

Und wer ohnehin gerne malt, lernt möglicherweise eine Arbeitsweise kennen, bei der wesentlich spontaner mit Farbe umgegangen wird.

Action Painting auch bei norddeutschem Regen

Ein weiterer Vorteil: Das Wetter spielt kaum eine Rolle.

Der Workshop findet drinnen statt.

Das Kliemannsland führt Action Painting ausdrücklich auch als Schlechtwetter-Aktivität.

Ob draußen im Juli die Sonne scheint oder im November der Regen quer über den Hof zieht, verändert den eigentlichen Workshop deshalb kaum.

Für eine Unternehmung in Norddeutschland ist das keine ganz unwichtige Eigenschaft.

Preisklasse

€€

Der reguläre Preis für Action Painting liegt aktuell bei 75 Euro pro Person.

Gelegentlich bietet das Kliemannsland vergünstigte Restplätze an. Zum Zeitpunkt unserer Recherche waren entsprechende reduzierte Plätze verfügbar.

Im Preis enthalten sind Leinwand, Farben, Werkzeuge, Schutzkleidung, Anleitung und die Nutzung des Workshopraums.

Das eigene fertige Bild darf anschließend mitgenommen werden.

Da Rabatte und verfügbare Termine wechseln können, sollte vor der Buchung der aktuelle Preis geprüft werden.

Termine und Buchung

Action Painting gehört aktuell fest zum Workshopangebot des Kliemannslands.

Für den Kurs sollte vorab ein Termin beziehungsweise Platz gebucht werden.

Das Kliemannsland selbst kann unabhängig davon regulär am Wochenende besucht werden. Der Hof ist samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Der Eintritt auf das Gelände ist grundsätzlich kostenlos; einzelne Aktivitäten und Workshops werden separat bezahlt.

Dadurch lässt sich der Action-Painting-Kurs gut mit einem längeren Besuch verbinden.

Ein Hof voller Dinge, die man ausprobieren darf

Wer für Action Painting nach Rüspel fährt, landet nicht in einer klassischen Kunstschule.

Das Kliemannsland versteht sich als DIY-Erlebnishof.

Auf dem Gelände wird geschweißt, gesprüht, gebaut und ausprobiert. Es gibt unter anderem Werkstätten, Graffiti, Keramikangebote, einen Escape Room, Minigolf, Skatepark und Café.

Viele dieser Angebote folgen derselben Idee:

Nicht nur ansehen.

Selbst machen.

Das erklärt auch, warum Action Painting hier gut funktioniert. Der Workshop wirkt nicht wie ein Fremdkörper innerhalb eines gewöhnlichen Ausflugsziels, sondern passt zum gesamten Charakter des Hofs.

Bei Nr. 17 unserer Sammlung haben wir im Kliemannsland Metall verschweißt.

Bei Nr. 18 darf die Kontrolle etwas stärker verloren gehen.

Framania-Fazit

Normalerweise lernt man beim Malen ziemlich früh, die Farbe dort zu lassen, wo sie hingehört.

Hier darf man genau diese Regel vergessen.

Man steht vor einer großen Leinwand, Musik läuft, die ersten Farben sind verteilt – und irgendwann fliegt der erste Schwung Farbe durch den Raum.

Ab diesem Moment wird es interessant.

Denn das Bild lässt sich nicht vollständig vorausplanen. Farbe läuft, trifft auf andere Farbe, bildet Spritzer und Spuren. Man reagiert darauf, verändert etwas, überdeckt eine Stelle oder setzt bewusst noch einen kräftigen Kontrast darüber.

Das Ergebnis muss niemandem ähneln und nichts darstellen.

Es dokumentiert vor allem einen Prozess.

Und vielleicht ist genau das der Grund, weshalb wir Action Painting in dieser Sammlung behalten würden: Man fährt nicht nach Rüspel, um zu lernen, möglichst ordentlich zu malen.

Man fährt hin, um einmal ausprobieren zu dürfen, was passiert, wenn Farbe fliegen darf.

Adresse & Informationen

Kliemannsland
Eichenstraße 14
27404 Rüspel
Landkreis Rotenburg (Wümme)

Erlebnis: Action Painting auf eigener Leinwand
Techniken: unter anderem Farbe spritzen, gießen, schleudern und tropfen
Ort: eigens umgebauter Action-Painting-Container
Vorkenntnisse: nicht erforderlich
Material: Leinwand, Farben und Werkzeuge werden gestellt
Schutzkleidung: wird gestellt; trotzdem unempfindliche eigene Kleidung empfohlen
Anleitung: kurze Einführung und Begleitung durch das Workshopteam
Musik: gehört zum Workshopkonzept
Mitnehmen: das eigene fertige Kunstwerk
Preis: aktuell regulär 75 Euro pro Person; zeitweise vergünstigte Restplätze
Wetter: Indoor-Angebot und damit auch bei Regen geeignet
Buchung: Workshopplatz vorab buchen
Hof: samstags und sonntags regulär von 11 bis 17 Uhr geöffnet