Friedrichstadt – Grachten, Treppengiebel und eine außergewöhnliche Geschichte

Friedrichstadt wirkt auf den ersten Blick wie ein kleines Stück Niederlande mitten in Schleswig-Holstein. Grachten ziehen sich durch die historische Altstadt, kleine Brücken verbinden die schnurgeraden Straßen und am Marktplatz stehen Häuser mit charakteristischen Treppengiebeln. Doch hinter dieser ungewöhnlichen Architektur steckt weit mehr als eine hübsche Kulisse: Friedrichstadt wurde 1621 planmäßig gegründet und maßgeblich von niederländischen Glaubensflüchtlingen aufgebaut, denen Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf religiöse Freiheit und wirtschaftliche Privilegien gewährte.

Genau diese Geschichte macht die kleine Stadt an Eider und Treene besonders. Kirchen verschiedener Glaubensgemeinschaften, die ehemalige Synagoge, historische Hausmarken und das geometrische Stadtbild erzählen bis heute von Handel, Migration und dem Versuch, Menschen unterschiedlicher Religionen an einem Ort zusammenzubringen. Gleichzeitig ist Friedrichstadt angenehm unkompliziert zu entdecken: durch die Altstadt bummeln, kleine Geschäfte und Cafés besuchen, mit dem Boot durch die Grachten fahren oder vom historischen Zentrum hinaus ans Wasser gehen. Friedrichstadt ist deshalb weit mehr als das oft zitierte „Klein Amsterdam“ – es ist eine außergewöhnlich kompakte Stadt, in der Architektur, Wasser und eine bemerkenswerte Geschichte der religiösen Vielfalt bis heute zusammengehören.

Friedrichstadt entdecken: Was sich in der historischen Altstadt wirklich lohnt

Friedrichstadt ist so klein, dass klassische Stadtteile für Besucher kaum eine Rolle spielen. Interessanter ist eine andere Einteilung: Rund um Markt und Prinzenstraße liegen die besten Bereiche zum Bummeln und Einkehren. An Mittelburg- und Fürstenburggraben erlebt man die Stadt vom Wasser aus. Kirchen, ehemalige Synagoge und Alte Münze erzählen von ihrer ungewöhnlichen Religionsgeschichte. Und außerhalb des kompakten Zentrums öffnen sich Treene, Eider und die nordfriesische Landschaft.

Das ist zugleich die beste Art, Friedrichstadt zu entdecken.

Man braucht keinen minutiösen Sehenswürdigkeitenplan. Viele der wichtigsten Orte liegen nur wenige Gehminuten auseinander. Dafür lohnt es sich, genauer hinzusehen, denn ein erheblicher Teil dessen, was Friedrichstadt außergewöhnlich macht, erschließt sich erst über seine Geschichte.

Marktplatz und historische Altstadt – hier beginnt Friedrichstadt

Der Marktplatz ist der beste Ausgangspunkt.

Er lag bereits im ursprünglichen Stadtplan des 17. Jahrhunderts zentral und ist bis heute der räumliche Mittelpunkt Friedrichstadts. Historische Wohn- und Geschäftshäuser rahmen den Platz, Bäume und Grünflächen lockern ihn auf.

Besonders markant ist die Westseite mit ihrer historischen Häuserzeile. Hier wird der niederländische Einfluss auf die Architektur unmittelbar sichtbar.

Treppengiebel, Backstein und schmale Fassaden unterscheiden Friedrichstadt deutlich von vielen anderen historischen Kleinstädten Schleswig-Holsteins.

Auf dem Platz steht außerdem das kleine blau-weiße Pumpenhäuschen aus dem 19. Jahrhundert. Es gehört zu jenen Details, an denen man in einer größeren Stadt vielleicht vorbeigehen würde, die in Friedrichstadt aber Teil des Gesamtbildes werden.

Der Markt ist gleichzeitig kein musealer Platz. Rundherum findet weiterhin alltägliches Stadtleben statt.

Gut für: ersten Rundgang, historische Architektur, Fotografie, Cafépause und Orientierung.

Die Prinzenstraße – zum Bummeln und für kleine Geschäfte

Wer wissen möchte, wo man in Friedrichstadt am besten bummeln kann, sollte vom Markt in die Prinzenstraße gehen.

Die kurze Fußgängerzone ist die wichtigste Einkaufsstraße der historischen Innenstadt. Statt eines großen Einkaufsangebots liegt ihr Reiz in kleineren Geschäften, individuellen Sortimenten und gastronomischen Adressen.

Gerade das passt zur Größe Friedrichstadts.

Hier braucht niemand einen halben Tag zum Einkaufen. Interessanter ist, beim Rundgang immer wieder in einen kleinen Laden hineinzuschauen und danach weiter Richtung Gracht oder Markt zu gehen.

Concept Stores, kleinere Spezialgeschäfte, Cafés und Manufakturprodukte geben der Straße mehr Individualität, als man bei einer Stadt dieser Größe zunächst erwarten würde.

Für Framania ist genau das die interessantere Seite Friedrichstadts: nicht möglichst viel Shopping, sondern einige Adressen, die nicht vollkommen austauschbar wirken.

Gut für: kleine Geschäfte, Mitbringsel, Kaffee und entspanntes Bummeln.

Mittelburggraben – Friedrichstadt von seiner schönsten Wasserseite

Der Mittelburggraben durchzieht die historische Planstadt und gehört zu den Bereichen, an denen Friedrichstadts niederländische Stadtidee besonders deutlich wird.

Bäume stehen am Wasser, kleine Brücken überspannen die Gracht und dahinter erscheinen historische Häuserfassaden.

Wer Friedrichstadt nur vom Marktplatz kennt, hat deshalb einen wesentlichen Teil der Stadt noch nicht gesehen.

Gerade entlang des Wassers entsteht jene Atmosphäre, wegen der Friedrichstadt immer wieder mit niederländischen Städten verglichen wird.

Allerdings sollte man den Vergleich nicht überstrapazieren.

Friedrichstadt ist kein Amsterdam in Miniatur.

Die Stadt ist ruhiger, kleiner und wesentlich ländlicher eingebettet. Genau das ist ihre Stärke.

Fürstenburggraben – ruhiger als der zentrale Altstadtbereich

Auch der Fürstenburggraben gehört zur historischen Wasserstruktur.

Hier lohnt es sich, das Tempo herauszunehmen.

Abseits der stärksten Besucherströme bekommt man einen besseren Eindruck davon, wie eng Wasser und Stadtplanung miteinander verbunden sind.

Die Grachten waren nicht als romantische Dekoration gedacht. Sie gehörten zur funktionalen Planung einer Handels- und Hafenstadt.

Dass sie heute zu den schönsten Bereichen Friedrichstadts zählen, ist gewissermaßen ein Nebeneffekt dieser frühen Stadtplanung.

Grachtenfahrt – wann sie sich wirklich lohnt

Eine Grachtenfahrt ist in Friedrichstadt keineswegs nur touristisches Beiwerk.

Vom Wasser aus verändert sich der Blick auf die Stadt.

Brücken, Gärten, Häuser und Ufer liegen plötzlich auf Augenhöhe, während die geometrische Struktur der Planstadt besser nachvollziehbar wird.

Die klassischen Rundfahrten dauern ungefähr eine Stunde. Wer lieber selbst unterwegs ist, kann je nach aktuellem Angebot auch kleinere Boote, Kanus oder andere Wasserfahrzeuge nutzen.

Für einen ersten Besuch ist eine Grachtenfahrt besonders dann sinnvoll, wenn man sie mit einem anschließenden Rundgang kombiniert.

Nur vom Boot aus bleibt Friedrichstadt zu oberflächlich. Nur zu Fuß fehlt wiederum eine seiner interessantesten Perspektiven.

Die Kombination aus beidem ist deutlich besser.

Gut für: Erstbesucher, Familien, Fotografen und alle, die Friedrichstadts Stadtstruktur verstehen möchten.

Die Planstadt – warum Friedrichstadt so ungewöhnlich geordnet aussieht

Wer auf einen Stadtplan schaut, erkennt sofort, dass Friedrichstadt anders aufgebaut ist als eine über Jahrhunderte organisch gewachsene mittelalterliche Stadt.

Die Straßen schneiden sich weitgehend rechtwinklig, Grachten strukturieren das Zentrum und der Marktplatz wurde bewusst in die Stadtanlage integriert.

Das war kein Zufall.

Friedrichstadt war ein geplantes wirtschaftliches Projekt.

Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf wollte Anfang des 17. Jahrhunderts eine leistungsfähige Handelsstadt aufbauen und warb dafür gezielt niederländische Siedler an.

Sie brachten nicht nur Kapital, Handelskontakte und Wissen mit, sondern auch Vorstellungen von Städtebau und Architektur.

Friedrichstadt erzählt deshalb eine frühe Geschichte davon, wie Migration eine Stadt nicht nur kulturell, sondern ganz konkret baulich prägen kann.

Treppengiebel und Kaufmannshäuser – niederländische Spuren im Stadtbild

Die bekannten Treppengiebel sind weit mehr als ein dekoratives Fotomotiv.

Sie verweisen auf die Herkunft vieler früher Einwohner und auf die niederländisch geprägte Architektur der Gründungszeit.

Besonders rund um den Markt lässt sich diese Verbindung nachvollziehen.

Wer sich Zeit nimmt, sollte dabei auf Fassadendetails und historische Hausmarken achten.

Solche kleinen Zeichen erzählen oft mehr über Bewohner, Berufe und Selbstverständnis früherer Eigentümer als eine reine Jahreszahl am Gebäude.

Friedrichstadt ist deshalb ein Ort, bei dem sich langsames Schauen lohnt.

Die Stadt der Toleranz – eine bemerkenswerte Idee mit historischen Grenzen

Friedrichstadt bezeichnet sich gern als Stadt der Toleranz.

Dahinter steht eine außergewöhnliche Gründungsgeschichte.

Niederländische Remonstranten, die aufgrund religiöser Konflikte ihre Heimat verlassen hatten, erhielten hier die Möglichkeit, ihren Glauben auszuüben. Im Laufe der Zeit lebten weitere Glaubensgemeinschaften in Friedrichstadt, darunter Mennoniten, Lutheraner, Katholiken und Juden.

Für das 17. Jahrhundert war diese religiöse Vielfalt bemerkenswert.

Man sollte die Geschichte dennoch nicht romantisieren.

Toleranz war auch Bestandteil einer wirtschaftlichen Strategie: Die neue Stadt benötigte Einwohner, Handwerker, Händler und Kapital.

Gerade diese Mischung aus religiöser Offenheit und wirtschaftlichem Kalkül macht Friedrichstadts Geschichte interessanter als eine einfache Erzählung vom toleranten Herzog.

Und auch Friedrichstadt blieb selbstverständlich nicht außerhalb späterer deutscher Verfolgungsgeschichte.

Die Geschichte der jüdischen Gemeinde macht das besonders deutlich.

Die Remonstrantenkirche – eine Glaubensgemeinschaft, die Friedrichstadt mitbegründete

Die Remonstranten gehören unmittelbar zur Entstehung der Stadt.

Ihre ursprüngliche Kirche wurde bereits wenige Jahre nach der Stadtgründung errichtet, später jedoch bei der Beschießung Friedrichstadts 1850 zerstört. Der heutige Bau stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Seine schlichte Gestaltung unterscheidet sich von repräsentativeren Kirchenbauten.

Gerade deshalb lohnt sich ein Besuch.

Hier steht nicht irgendeine Kirche in einer historischen Altstadt. Die Geschichte dieser Gemeinde erklärt, warum Friedrichstadt überhaupt gegründet wurde.

Die remonstrantische Tradition ist deshalb einer der Punkte, die Friedrichstadt von fast allen anderen norddeutschen Kleinstädten unterscheiden.

Die Mennonitenkirche und Alte Münze – stille Geschichte hinter der Fassade

Auch Mennoniten gehörten früh zur religiösen Vielfalt Friedrichstadts.

Ihre Kirche befindet sich in Verbindung mit der sogenannten Alten Münze und besitzt keinen klassischen Kirchturm.

Das passt zur zurückhaltenden Tradition der Glaubensgemeinschaft.

Wer Friedrichstadts religiöse Geschichte nachvollziehen möchte, sollte diesen Bereich nicht auslassen.

Gerade weil hier wenig spektakulär inszeniert wird, wirkt der Ort authentisch.

Man versteht zunehmend, dass die verschiedenen Glaubensgemeinschaften keine touristische Erfindung der Gegenwart sind, sondern zur Stadtentwicklung gehörten.

Die ehemalige Synagoge – wo die Toleranzgeschichte einen Bruch bekommt

Besonders wichtig ist die ehemalige Synagoge.

Friedrichstadt besaß einst eine bedeutende jüdische Gemeinde. Im Nationalsozialismus wurden jüdische Einwohner verfolgt, vertrieben und ermordet; die Synagoge wurde 1938 verwüstet.

Heute dient das Gebäude als Kultur- und Gedenkstätte.

Dieser Ort gehört unbedingt zu einer ernsthaften Beschäftigung mit Friedrichstadt.

Denn wer ausschließlich von religiöser Toleranz erzählt und die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung ausblendet, erzählt nur die angenehmere Hälfte der Geschichte.

Gerade dieser historische Bruch macht deutlich, dass Friedrichstadts Vergangenheit komplexer ist als das touristische Bild von Grachten und Giebeln.

St. Christophorus – Kunst und lutherische Stadtgeschichte

Die evangelisch-lutherische St.-Christophorus-Kirche gehört ebenfalls zum religiösen Stadtbild.

In ihrem Inneren befindet sich mit der „Beweinung Christi“ ein bedeutendes Werk des Malers Jürgen Ovens, der aus der Region stammte und unter anderem im Umfeld des Gottorfer Hofes wirkte.

Damit besitzt Friedrichstadt auch kunsthistorische Spuren, die beim schnellen Altstadtbesuch leicht übersehen werden.

Wer Kirchen normalerweise nur von außen betrachtet, sollte hier deshalb eine Ausnahme erwägen.

1850 – die Katastrophe, die das heutige Friedrichstadt mitprägte

Das geschlossene historische Erscheinungsbild kann den Eindruck vermitteln, Friedrichstadt sei nahezu unverändert aus dem 17. Jahrhundert erhalten.

Das wäre falsch.

Während des Schleswig-Holsteinischen Krieges wurde die Stadt 1850 schwer beschossen. Zahlreiche Häuser brannten nieder oder wurden beschädigt, auch Kirchen wurden zerstört.

Der anschließende Wiederaufbau gehört deshalb ebenso zur Stadtgeschichte wie die Gründungsphase.

Gerade dieser Punkt macht Friedrichstadt architektonisch interessant.

Was heute harmonisch wirkt, ist nicht einfach ein vollständig konserviertes Stück des 17. Jahrhunderts, sondern das Ergebnis von Gründung, Zerstörung, Wiederaufbau und späterer Denkmalpflege.

Eider und Treene – raus aus den Grachten

Friedrichstadt liegt am Zusammenfluss von Eider und Treene.

Wer nach einigen Stunden Altstadt und Architektur Natur sucht, sollte deshalb den engen historischen Kern verlassen.

An den Flüssen öffnet sich die Landschaft.

Wasser, Wiesen und weiter Himmel ersetzen Giebel und gepflasterte Straßen.

Dieser Wechsel geschieht erstaunlich schnell.

Gerade für einen ganzen Tag ist das ideal: vormittags historische Altstadt, mittags Grachtenfahrt und später hinaus ans Wasser.

Damit besitzt Friedrichstadt trotz seiner geringen Größe zwei sehr unterschiedliche Erlebnisräume.

Gut für: Spaziergänge, Natur, Wasser, Ruhe und einen Ausgleich zur Altstadt.

Paddeln und Kanu – Friedrichstadt selbst steuern

Wer Wasser nicht nur vom Ausflugsboot erleben möchte, findet mit Treene, Eider und Grachten interessante Möglichkeiten.

Kanu- und Kajaktouren verbinden Stadt und Landschaft.

Das ist besonders für Reisende interessant, denen eine klassische Stadtführung zu passiv ist.

Innerhalb kurzer Zeit wechselt die Perspektive vom historischen Zentrum in eine offene Flusslandschaft.

Damit gehört Friedrichstadt zu den kleinen Städten, die sich überraschend gut mit einem aktiven Wochenende verbinden lassen.

Radfahren rund um Friedrichstadt – Nordfriesland beginnt direkt hinter der Altstadt

Auch mit dem Fahrrad lässt sich die Umgebung gut erschließen.

Das Gelände ist weitgehend flach, die Landschaft offen und wasserreich.

Touren können entlang von Eider und Treene oder weiter durch die nordfriesische Umgebung führen.

Dabei sollte man den Wind nicht unterschätzen.

Wie an vielen Orten im Norden entscheidet weniger die Steigung als die Windrichtung darüber, wie entspannt eine Tour wird.

Für einen Aufenthalt von zwei oder drei Tagen ist das Fahrrad trotzdem eine der besten Möglichkeiten, Friedrichstadt nicht nur als hübsche Altstadt wahrzunehmen.

Wo kann man in Friedrichstadt besonders gut essen und Kaffee trinken?

Für Essen und Cafés ist der Bereich zwischen Marktplatz und Prinzenstraße die beste erste Adresse.

Hier konzentriert sich ein großer Teil der Gastronomie, ohne dass lange Wege notwendig sind.

Die Auswahl reicht von klassischer Gastronomie bis zu kleinen Cafés und moderneren Konzepten.

Gerade in der Prinzenstraße finden sich einige individuellere Adressen.

Wer guten Kaffee, Kuchen oder kleine Spezialitäten sucht, sollte deshalb nicht automatisch beim erstbesten großen Terrassenbetrieb am Markt bleiben.

Ein paar Schritte durch die Seitenstraßen und entlang der Prinzenstraße lohnen sich.

Für einen Ort dieser Größe ist die Mischung aus Gastronomie, kleinen Geschäften und historischem Umfeld erstaunlich angenehm.

Wo lässt sich am besten bummeln?

Auch hier ist die Antwort eindeutig: Prinzenstraße, Markt und die angrenzenden Straßen der historischen Altstadt.

Man sollte allerdings keine große Shoppingdestination erwarten.

Der Mehrwert liegt gerade darin, dass Friedrichstadt klein geblieben ist.

Einige individuelle Läden, Kreativangebote, Spezialgeschäfte und kleine Sortimente lassen sich problemlos mit dem historischen Rundgang verbinden.

Wer Einkaufszentren oder internationale Marken sucht, fährt woanders hin.

Wer gern in kleineren Geschäften stöbert, findet in Friedrichstadt die passendere Größenordnung.

Wo ist Friedrichstadt am ruhigsten?

Wer Ruhe sucht, sollte sich von Markt und Prinzenstraße entfernen und Richtung Grachten, Treene und Eider gehen.

Schon wenige Minuten außerhalb der zentralen Einkaufsbereiche nimmt der Besucherverkehr deutlich ab.

Besonders morgens und am späteren Abend zeigt sich Friedrichstadt von einer anderen Seite.

Dann gehören die Grachten wieder stärker den Anwohnern, Spaziergängern und wenigen Übernachtungsgästen.

Das ist ein gutes Argument, nicht nur für zwei Stunden auf der Durchreise zu bleiben.

Friedrichstadt mit Kindern

Für Familien funktioniert Friedrichstadt vor allem über das Wasser.

Eine Grachtenfahrt ist unkompliziert, während selbst gesteuerte Boote oder Kanus je nach Alter mehr Abenteuer bieten.

Die Altstadt ist kompakt und die Wege zwischen den wichtigsten Punkten sind kurz.

Das erleichtert einen Familienausflug erheblich.

Wer mehrere Tage bleibt, kann Fahrradtouren und Aktivitäten an Treene oder Eider ergänzen.

Friedrichstadt ist kein Ort voller großer Kinderattraktionen.

Gerade für Familien, die lieber gemeinsam draußen unterwegs sind, kann das jedoch ein Vorteil sein.

Friedrichstadt bei schlechtem Wetter

Hier muss man realistisch bleiben.

Ein erheblicher Teil des Reizes liegt draußen: Grachten, Architektur, Markt und Flusslandschaft.

Bei leichtem Regen funktioniert die Stadt trotzdem gut, zumal Grachtenfahrten teilweise mit überdachten Booten angeboten werden und Cafés kurze Pausen ermöglichen.

Für einen kompletten Tag mit Dauerregen ist das Angebot begrenzter als in größeren Städten.

Dann gewinnen Kirchen, Gedenkstätte und kulturelle Angebote an Bedeutung.

Friedrichstadt ist deshalb eher eine Stadt, die wechselhaftes Wetter verträgt, als ein ausgeprägtes Schlechtwetterziel.

Friedrichstadt außerhalb der Hauptsaison

Frühjahr und Herbst passen ausgesprochen gut zur Stadt.

Die Altstadt lässt sich dann häufig ruhiger erleben und Spaziergänge an Eider und Treene sind weiterhin möglich.

Auch im Winter kann Friedrichstadt atmosphärisch sein, allerdings sollte man dann Öffnungszeiten von Gastronomie, Geschäften und touristischen Angeboten vorher prüfen.

Wer hauptsächlich wegen Architektur und Geschichte kommt, benötigt ohnehin keinen Hochsommer.

Gerade die ruhigeren Monate können besser zu einer Stadt passen, deren größte Qualität ihre Überschaubarkeit ist.

Ausflüge von Friedrichstadt – zwischen Nordsee und Binnenland

Friedrichstadt lässt sich gut mit weiteren Zielen im Norden Schleswig-Holsteins verbinden.

Husum bringt Hafen, Nordseeküste und Theodor-Storm-Geschichte hinzu.

St. Peter-Ording steht für Strand, Dünen und Pfahlbauten.

Tönning verbindet historischen Hafen und Eider mit dem Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum.

Dadurch eignet sich Friedrichstadt hervorragend als Bestandteil einer kleinen Reise durch die Region.

Es muss nicht zwingend selbst eine ganze Urlaubswoche füllen.

Als ruhiger Standort für zwei oder drei Tage funktioniert die Stadt dagegen ausgesprochen gut.

Für wen eignet sich Friedrichstadt?

Friedrichstadt eignet sich besonders für Menschen, die historische Kleinstädte mögen, aber nicht nur Fassaden fotografieren möchten.

Architekturinteressierte finden eine außergewöhnliche frühneuzeitliche Planstadt mit niederländischem Einfluss.

Geschichtsinteressierte können sich mit Migration, Handel, religiöser Vielfalt und den Brüchen dieser Toleranzgeschichte beschäftigen.

Paare finden einen ruhigen Ort für ein Wochenende mit Cafés, Wasser und kurzen Wegen.

Menschen, die gern in kleinen Geschäften stöbern, sollten Markt und Prinzenstraße einplanen.

Aktive Besucher können Kanu, Fahrrad und Spaziergänge an Eider und Treene miteinander verbinden.

Und Fotografen bekommen mit Grachten, Brücken, Treppengiebeln und historischen Fassaden auf erstaunlich kleiner Fläche sehr unterschiedliche Motive.

Wer dagegen großes Nachtleben, umfangreiches Shopping oder täglich neue Großattraktionen erwartet, wird Friedrichstadt schnell ausgeschöpft haben.

Wie viel Zeit sollte man für Friedrichstadt einplanen?

Für Markt, historische Altstadt, Grachten und die wichtigsten geschichtlichen Orte reicht ein voller Tag.

Wer zusätzlich eine Grachtenfahrt machen, Kirchen und Gedenkstätte ansehen und ohne Zeitdruck essen oder Kaffee trinken möchte, sollte eine Übernachtung einplanen.

Zwei Tage sind ideal, wenn Friedrichstadt mit Fahrrad, Paddeln oder längeren Spaziergängen an Eider und Treene verbunden werden soll.

Für drei Tage bietet sich zusätzlich ein Ausflug nach Husum, Tönning oder in Richtung Nordseeküste an.

Mehr Zeit benötigt man nicht zwingend, um Friedrichstadt selbst kennenzulernen.

Und genau das ist Teil seiner Qualität: Die Stadt lässt sich intensiv erleben, ohne dass ein Wochenende in organisatorischen Stress ausartet.

Framania-Fazit

Friedrichstadt wird häufig als „Klein Amsterdam“ verkauft. Das klingt hübsch, greift aber zu kurz.

Natürlich sind Grachten, Brücken und Treppengiebel der unmittelbarste Grund, hier anzuhalten. Sie machen Friedrichstadt zu einer der ungewöhnlichsten historischen Kleinstädte Schleswig-Holsteins.

Das eigentlich Bemerkenswerte liegt jedoch dahinter.

Diese Stadt entstand nicht zufällig. Sie wurde geplant, um Menschen anzuziehen, die Wissen, Handel und Kapital mitbrachten. Religionsflüchtlinge aus den Niederlanden prägten Architektur und Stadtstruktur. Unterschiedliche Glaubensgemeinschaften hinterließen Kirchen, Gemeindeorte und eine jüdische Geschichte, deren gewaltsames Ende im Nationalsozialismus ebenfalls zu Friedrichstadt gehört.

Dadurch bekommt die schöne Kulisse Substanz.

Hinzu kommt eine selten angenehme Aufteilung für Besucher: Rund um Markt und Prinzenstraße kann man essen, Kaffee trinken und in kleinen Geschäften stöbern. An den Grachten erlebt man die historische Planstadt vom Wasser. Wenige Minuten später führen Eider und Treene hinaus in die offene Landschaft.

Friedrichstadt braucht keine lange Liste spektakulärer Sehenswürdigkeiten.

Sein eigentliches Erlebnis ist das Zusammenspiel.

Wer nur eine Grachtenfahrt macht und wieder abreist, hat ein hübsches „Klein Amsterdam“ gesehen. Wer sich zusätzlich mit den Menschen beschäftigt, die diese Stadt gegründet, aufgebaut, verloren und wieder aufgebaut haben, entdeckt einen der geschichtlich interessantesten kleinen Orte im Norden.

Und genau deshalb gehört Friedrichstadt für Framania in diese Auswahl.