Eutin entdecken – Residenzstadt, Kulturgeschichte und Seen in der Holsteinischen Schweiz
In Eutin muss man sich nicht zwischen Stadt und Landschaft entscheiden. Vom Marktplatz sind es nur wenige Minuten bis zum Schloss, hinter dem Schloss beginnt der Garten, und dahinter liegt bereits der Große Eutiner See. Wer weiterläuft, verliert die Stadt erstaunlich schnell aus dem Blick.
Diese kurzen Übergänge machen Eutin interessant.
Die Stadt war über Jahrhunderte Residenz der Lübecker Fürstbischöfe und später der Oldenburger Herzöge. Rund um den Markt entstand eine Bürgerstadt mit repräsentativen Häusern. Um 1800 trafen sich hier Schriftsteller, Musiker und Gelehrte. Carl Maria von Weber wurde in Eutin geboren. Johann Heinrich Wilhelm Tischbein verbrachte einen langen Teil seines Lebens in der Stadt. Johann Heinrich Voß lebte und arbeitete hier, und Friedrich Leopold zu Stolberg gehörte ebenfalls zum Eutiner Kreis.
Dass Eutin gelegentlich als „Weimar des Nordens“ bezeichnet wird, hat also einen historischen Hintergrund. Für einen Besuch ist ein anderer Zusammenhang allerdings noch reizvoller: Schlossgeschichte, Literatur und Musik stehen hier nicht isoliert in Museen. Sie liegen eingebettet in eine kleine Stadt, deren Zentrum unmittelbar in Parks, Wasser und die Hügellandschaft der Holsteinischen Schweiz übergeht.
Der historische Marktplatz – hier zeigt sich die Bürgerstadt
Ein Rundgang durch Eutin beginnt am besten auf dem Marktplatz.
Der langgestreckte Platz bildet bis heute das Zentrum der Altstadt. Historische Bürgerhäuser stehen rund um den Markt, Geschäfte und Gastronomie halten ihn gleichzeitig im Alltag der Stadt.
Das ist wichtig für Eutins Atmosphäre.
Der Platz wirkt nicht wie eine historische Kulisse, die nach Ladenschluss ihre Funktion verliert. Hier wird eingekauft, gegessen und Kaffee getrunken. Wochenmarkt und Veranstaltungen bringen zusätzlich Leben ins Zentrum.
Wer die Altstadt von Eutin entdecken möchte, sollte deshalb nicht sofort zum Schloss weitergehen. Ein Rundgang um den Markt und durch die angrenzenden Straßen zeigt zunächst die bürgerliche Seite der ehemaligen Residenz.
St. Michaelis – älter als das Schloss
Direkt am historischen Zentrum steht mit St. Michaelis eines der ältesten Bauwerke der Stadt.
Die Ursprünge der Kirche reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück. Damit führt sie in eine Zeit zurück, lange bevor Eutin jene höfische Prägung erhielt, die heute mit dem Schloss verbunden wird.
Über Jahrhunderte wurde die Kirche verändert und erweitert.
Gerade deshalb ist sie für die Stadtgeschichte wichtig. Während das Schloss vor allem von Fürstbischöfen und Herzögen erzählt, steht St. Michaelis für die wesentlich längere Entwicklung Eutins als kirchlicher und regionaler Mittelpunkt.
Wer historische Städte gern chronologisch versteht, sollte deshalb hier beginnen und erst anschließend zum Schloss gehen.
Vom Markt zum Schloss – nur wenige Minuten und eine andere Welt
Eutins besondere Qualität zeigt sich auf dem Weg zwischen Markt und Schloss.
Man braucht dafür keine lange Promenade und kein Auto.
Nach wenigen Minuten verändert sich das Stadtbild.
Die kleinteilige Bürgerstadt tritt zurück, das Schlossensemble übernimmt. Und wiederum wenige Minuten später öffnet sich hinter den Gebäuden der Landschaftsgarten.
Für einen Tagesausflug ist diese räumliche Konzentration ausgesprochen angenehm.
Eutin besitzt genug historische Substanz für mehrere Stunden, ohne dass man zwischen den Sehenswürdigkeiten große Entfernungen überwinden muss.
Schloss Eutin – Residenzgeschichte im Norden
Das Eutiner Schloss gehört zu den bedeutendsten historischen Anlagen der Stadt und ist weit mehr als ein schöner Hintergrund für einen Spaziergang.
Seine Geschichte reicht bis ins Mittelalter zurück. Aus einer ursprünglich befestigten Anlage entwickelte sich über Jahrhunderte eine Residenz.
Besonders eng ist die Geschichte des Schlosses mit den Lübecker Fürstbischöfen verbunden.
Das klingt zunächst widersprüchlich: Warum residierte ein Lübecker Fürstbischof in Eutin?
Der Grund liegt in der besonderen politischen Geschichte des Hochstifts Lübeck. Während die Stadt Lübeck selbst reichsfrei war, entwickelte sich Eutin zum weltlichen und schließlich zum dauerhaften Residenzort der Fürstbischöfe.
Nach mehreren Umbauten und einem Brand zu Beginn des 18. Jahrhunderts erhielt das Schloss wesentliche Teile seiner heutigen barocken Gestalt.
Später gelangte die Residenz in den Zusammenhang des Hauses Oldenburg.
Damit erzählt das Gebäude nicht nur Eutiner Lokalgeschichte. Es führt mitten hinein in die komplizierte Territorialgeschichte Schleswig-Holsteins.
Im Schloss – nicht nur Prunkräume
Wer ausreichend Zeit mitbringt, sollte Schloss Eutin nicht nur von außen betrachten.
Die historischen Innenräume vermitteln einen Eindruck davon, wie die Residenz genutzt wurde. Möbel, Gemälde und kunsthandwerkliche Objekte erzählen von höfischem Leben und den unterschiedlichen Bewohnern.
Interessant ist dabei gerade die Größenordnung.
Eutin war keine Metropole und das Schloss kein Versailles des Nordens.
Die Anlage vermittelt vielmehr das Leben an einem kleineren deutschen Hof. Genau darin liegt ihr Reiz.
Man bekommt einen Eindruck davon, wie politische Macht, Repräsentation und Alltag in einer überschaubaren Residenzstadt miteinander verbunden waren.
Der Schlossgarten – aus höfischer Ordnung wurde Landschaft
Hinter dem Schloss beginnt eine zweite Geschichte.
Der Eutiner Schlossgarten wurde im Laufe seiner Geschichte mehrfach umgestaltet. Aus älteren formalen Gartenanlagen entwickelte sich im späten 18. Jahrhundert ein Landschaftsgarten nach englischem Vorbild.
Statt streng geometrischer Beete bestimmten nun geschwungene Wege, Baumgruppen, Sichtachsen und bewusst inszenierte Landschaftsbilder die Gestaltung.
Der Garten sollte natürlicher wirken, obwohl diese Natürlichkeit sorgfältig komponiert war.
Wer heute hindurchgeht, muss nichts über Gartengeschichte wissen, um die Wirkung zu bemerken.
Das Schloss verschwindet immer wieder hinter Bäumen, Wasser taucht zwischen Grünflächen auf und der Übergang zum See wird zunehmend fließend.
Gerade dieser Garten macht Eutin zu mehr als einer kleinen Residenzstadt mit Schloss.
Gut für: Gartenkunst, Spaziergänge, Ruhe, Fotografie und eine Pause nach der Altstadt.
Der Große Eutiner See – die Stadt endet nicht am Schloss
Hinter dem Schlossgarten öffnet sich der Große Eutiner See.
Spätestens hier verändert sich ein Besuch vollständig.
Die historische Stadt liegt noch in unmittelbarer Nähe, trotzdem dominieren plötzlich Wasser, Ufer und Landschaft.
Wer Eutin an einem Tag besucht, sollte deshalb genügend Zeit für einen Spaziergang am See einplanen. Nur Altstadt und Schloss abzuhaken, würde einen wesentlichen Teil des Ortes auslassen.
Je nach verfügbarer Zeit kann man nur ein Stück am Ufer gehen oder eine längere Runde daraus machen.
Auch Boots- und Schifffahrtsangebote können saisonal eine Möglichkeit sein, den See aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Die aktuellen Fahrzeiten sollte man vor dem Besuch prüfen.
Die Stadtbucht – Eutins Wohnzimmer am Wasser
Zwischen Innenstadt und Großem Eutiner See liegt die Stadtbucht.
Sie ist einer der Orte, an denen sich gut beobachten lässt, wie eng Eutin heute mit seinem See verbunden ist.
Hier geht es weniger um historische Sehenswürdigkeiten als um Aufenthalt.
Spazieren, am Wasser sitzen, eine Pause machen oder den Blick über den See schweifen lassen – nach Schloss und Altstadt bekommt der Tag hier einen anderen Rhythmus.
Für Besucher ist das besonders angenehm, weil man dafür keinen Ausflug organisieren muss.
Die Stadtbucht gehört unmittelbar zum Zentrum.
Kleiner Eutiner See – die ruhigere Wasserseite
Neben dem Großen Eutiner See besitzt Eutin mit dem Kleinen Eutiner See einen weiteren Landschaftsraum direkt an der Stadt.
Wer länger bleibt oder bewusst abseits der zentralen Sehenswürdigkeiten spazieren möchte, findet hier eine ruhigere Ergänzung.
Damit wird deutlich, weshalb Eutin als Standort in der Holsteinischen Schweiz funktioniert.
Die Seen sind nicht nur Ausflugsziele irgendwo im Umland.
Wasser gehört unmittelbar zum Stadtgebiet.
Warum Eutin „Weimar des Nordens“ genannt wird
Der Beiname klingt zunächst nach Tourismuswerbung.
Ganz aus der Luft gegriffen ist er jedoch nicht.
Im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert entwickelte sich rund um den Eutiner Hof ein bemerkenswertes kulturelles Umfeld.
Schriftsteller, Übersetzer, Künstler und Musiker lebten hier oder standen miteinander in Verbindung.
Johann Heinrich Voß gehört zu den wichtigsten Namen. Seine Übersetzungen antiker Werke, insbesondere Homers, machten ihn zu einer bedeutenden Figur der deutschen Literaturgeschichte.
Auch Friedrich Leopold Graf zu Stolberg-Stolberg war Teil dieses geistigen Umfelds.
Der Maler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, bekannt unter anderem durch sein berühmtes Goethe-Porträt, lebte später viele Jahre in Eutin.
Für eine kleine Residenzstadt war diese Konzentration kultureller Persönlichkeiten bemerkenswert.
Trotzdem sollte man Eutin nicht permanent mit Weimar vergleichen.
Die interessantere Frage lautet, warum eine so kleine norddeutsche Stadt überhaupt ein solches kulturelles Milieu hervorbringen konnte.
Die Antwort liegt im Zusammenspiel aus Hof, gebildetem Bürgertum und persönlichen Netzwerken.
Johann Heinrich Voß – Literaturgeschichte in Eutin
Voß kam im 18. Jahrhundert nach Eutin und wirkte hier über viele Jahre.
Bekannt wurde er insbesondere als Übersetzer Homers.
Seine Arbeit trug wesentlich dazu bei, antike Literatur einem breiteren deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen.
Für Eutin ist Voß deshalb mehr als ein Name auf einer Gedenktafel.
Er steht für jene Phase, in der die kleine Residenz kulturell weit über ihre Größe hinauswirkte.
Wer sich für Literaturgeschichte interessiert, entdeckt in Eutin deshalb eine Ebene, die bei einem oberflächlichen Schlossbesuch leicht verloren geht.
Carl Maria von Weber – ein berühmter Sohn der Stadt
Noch bekannter ist heute Carl Maria von Weber.
Der Komponist wurde 1786 in Eutin geboren und gilt als einer der bedeutenden Wegbereiter der deutschen romantischen Oper.
Sein „Freischütz“ gehört zu den bekanntesten Werken dieser Epoche.
Weber verbrachte zwar nur einen kleinen Teil seines Lebens in seiner Geburtsstadt. Für Eutin besitzt seine Herkunft dennoch große kulturelle Bedeutung.
Das Geburtshaus und die Erinnerung an den Komponisten verbinden die Stadt bis heute mit der Musikgeschichte.
Besonders sichtbar wird das bei den Eutiner Festspielen.
Eutiner Festspiele – wenn die Musik an den See zurückkehrt
Die Eutiner Festspiele gehören zu den kulturellen Ereignissen, die tatsächlich zum Charakter des Ortes passen.
Gespielt wird im Umfeld des Großen Eutiner Sees.
Musiktheater und Landschaft treffen dadurch auf eine Weise zusammen, die sich kaum von einem beliebigen Veranstaltungsort kopieren lässt.
Die Festspiele gehen auf die Erinnerung an Carl Maria von Weber zurück und haben sich über Jahrzehnte zu einem festen Bestandteil des Eutiner Kulturlebens entwickelt.
Wer Eutin im Sommer besucht und Musiktheater mag, sollte deshalb frühzeitig prüfen, welche Produktionen während des Aufenthalts stattfinden.
Eine Aufführung am See verändert einen normalen Tagesausflug schnell in einen vollständigen Kulturabend.
Ostholstein-Museum – Kunst gegenüber dem Schloss
Direkt im historischen Zentrum liegt das Ostholstein-Museum.
Es beschäftigt sich mit Kunst und Kulturgeschichte der Region und ergänzt damit die höfische Perspektive des Schlosses.
Gerade diese Kombination ist sinnvoll.
Im Schloss geht es stärker um Residenz, Herrschaft und höfische Lebenswelt. Das Museum erweitert den Blick auf Kunst und Kultur Ostholsteins.
Wer Eutin bei schlechtem Wetter besucht oder sich intensiver für die Region interessiert, sollte beide Einrichtungen miteinander verbinden.
Wo kann man in Eutin schön bummeln?
Für einen Einkaufsbummel ist der Bereich rund um den Marktplatz und die angrenzenden Straßen der Innenstadt am interessantesten.
Eutin ist keine große Shoppingstadt.
Gerade deshalb sollte man nicht versuchen, sie als solche zu verkaufen.
Die Stärke liegt in kurzen Wegen, kleineren Geschäften und der Möglichkeit, Einkaufen mit historischen Straßen, Café und Schlossbesuch zu verbinden.
Wer gern langsam durch eine Innenstadt geht, zwischendurch in einen Laden schaut und anschließend wieder am Wasser steht, bekommt hier genau die richtige Größenordnung.
Wo kann man in Eutin gut Kaffee trinken?
Für Cafés ist das historische Zentrum rund um den Marktplatz die erste Adresse.
Hier lässt sich eine Pause am besten mit dem Altstadtrundgang verbinden.
Im Sommer gewinnt zusätzlich der Bereich Richtung Stadtbucht und See an Reiz.
Damit gibt es zwei unterschiedliche Situationen:
In der Altstadt sitzt man mitten im historischen Stadtleben.
Am Wasser bestimmt die Landschaft die Atmosphäre.
Wer einen ganzen Tag in Eutin verbringt, kann problemlos beides miteinander verbinden: vormittags Kaffee am Markt, später eine Pause am See.
Wo kann man in Eutin essen?
Auch bei Restaurants ist die Innenstadt rund um Markt und angrenzende Straßen am praktischsten.
Hier lässt sich das Essen gut zwischen Schloss, Altstadt und Kulturprogramm einbauen.
Wer am Abend eine Veranstaltung der Festspiele besucht, sollte die Gastronomie entsprechend mit dem Weg Richtung See kombinieren.
Die kulinarische Szene ist nicht das Alleinstellungsmerkmal Eutins.
Für Framania ist deshalb wichtiger, wo Essen in den Tagesablauf passt, als eine lange Liste einzelner Betriebe anzulegen.
Der Markt eignet sich für den klassischen Stadtbesuch, der Bereich Richtung See für einen ruhigeren Tagesabschluss.
Eutin zu Fuß – hier braucht man für vieles kein Auto
Einer der größten praktischen Vorteile der Stadt sind die kurzen Wege.
Marktplatz, St. Michaelis, Schloss, Schlossgarten, Museum und Großer Eutiner See liegen so nah beieinander, dass sich ein großer Teil des Besuchs zu Fuß organisieren lässt.
Das verändert die Atmosphäre eines Tages erheblich.
Man fährt nicht von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit.
Man bewegt sich durch die Stadt und gelangt beinahe automatisch von Geschichte zu Kultur und anschließend in die Landschaft.
Gerade für einen Tagesausflug ist das ideal.
Radfahren rund um Eutin – hinein in die Holsteinische Schweiz
Wer einen zweiten Tag einplant, sollte die Umgebung einbeziehen.
Eutin liegt mitten in einer Landschaft aus Seen, Wäldern, Feldern und sanften Hügeln.
Anders als im völlig flachen Nordseeküstenland gibt es hier durchaus Höhenunterschiede.
Für Fahrradtouren bedeutet das mehr Abwechslung.
Von Eutin aus lassen sich unterschiedliche Orte und Seen der Holsteinischen Schweiz erreichen.
Wer mit dem E-Bike unterwegs ist, kann auch längere Strecken entspannt einplanen.
Die Kombination aus Stadt und Fahrradtour ist einer der stärksten Gründe, nicht nur für einige Stunden nach Eutin zu fahren.
Wandern und Spazieren – Seen statt Stadtpark
Für einen Spaziergang muss man Eutin kaum verlassen.
Schlossgarten und Seeufer ergeben bereits eine sehr gute Runde.
Wer länger laufen möchte, kann die Strecke ausweiten und weitere Bereiche der Seenlandschaft einbeziehen.
Der Unterschied zu vielen historischen Kleinstädten ist deutlich.
Natur ist hier kein Zusatzpunkt am Ende eines Besichtigungsprogramms.
Sie beginnt unmittelbar hinter der Residenz.
Die Holsteinische Schweiz – warum die Umgebung zu Eutin gehört
Der Name „Holsteinische Schweiz“ bezeichnet eine der landschaftlich abwechslungsreichsten Regionen Schleswig-Holsteins.
Die eiszeitlich geformte Landschaft unterscheidet sich deutlich von Marsch und Küstenebene.
Seen, bewaldete Höhen und sanfte Hügel bestimmen das Bild.
Eutin gehört zusammen mit Orten wie Plön und Malente zu den wichtigen Ausgangspunkten für diese Region.
Wer mehrere Tage bleibt, sollte deshalb nicht nur innerhalb der Stadtgrenzen planen.
Gerade die Verbindung von Eutin mit Plön, Malente oder weiteren Seen macht einen Kurzurlaub abwechslungsreich.
Eutin und Plön – zwei Residenzstädte, zwei unterschiedliche Charaktere
Plön liegt nahe genug für einen gemeinsamen Kurzurlaub, sollte aber nicht als austauschbare Alternative zu Eutin betrachtet werden.
Beide Städte besitzen Schlossgeschichte und eine starke Verbindung zum Wasser.
Trotzdem unterscheiden sie sich.
Eutin hat den kompakten historischen Markt, die Kulturgeschichte um Voß und Weber und den großen Schlossgarten.
Plön wird noch stärker durch seine spektakuläre Lage zwischen Seen und das weithin sichtbare Schloss geprägt.
Wer zwei Tage Zeit hat, kann beide Städte sehr gut miteinander vergleichen.
Malente – wenn Natur wichtiger wird als Stadtgeschichte
Auch Malente liegt in unmittelbarer Nähe.
Der Ort ergänzt Eutin vor allem landschaftlich.
Wer seinen Aufenthalt stärker auf Radfahren, Wandern und Seen ausrichten möchte, kann beide Ziele gut verbinden.
Damit eignet sich Eutin als Ausgangspunkt für Menschen, die morgens Kultur und nachmittags Natur erleben möchten, ohne dafür große Entfernungen zurückzulegen.
Die Ostsee ist näher, als man denkt
Eutin liegt nicht direkt an der Küste.
Trotzdem ist die Ostsee schnell erreichbar.
Damit lässt sich ein Aufenthalt in der Holsteinischen Schweiz mit einem Tag am Meer verbinden.
Gerade für einen längeren Kurzurlaub ist diese Lage attraktiv: historische Stadt, Seenlandschaft und Ostseeküste können Teil derselben Reise sein.
Eutin sollte deshalb nicht als Ostseeort bezeichnet werden.
Aber es ist ein guter Ausgangspunkt zwischen Binnenland und Küste.
Eutin mit Kindern
Für Familien funktioniert Eutin am besten, wenn Kultur und Bewegung kombiniert werden.
Ein ganzer Tag ausschließlich mit Schlossgeschichte dürfte für kleinere Kinder zu viel sein.
Schloss, Garten und See lassen sich dagegen sehr gut miteinander verbinden.
Nach einem Museumsbesuch kann man direkt ins Freie wechseln.
Spaziergänge am Wasser, Grünflächen und saisonale Angebote auf oder am See schaffen Abwechslung.
Für ältere Kinder können Schlossgeschichte und historische Räume durchaus interessant sein, wenn sie nicht als stundenlange Museumsrunde geplant werden.
Eutin bei schlechtem Wetter
Auch bei Regen bleibt genügend Programm.
Schloss und Ostholstein-Museum sind die wichtigsten kulturellen Anlaufpunkte.
Kirche, Geschäfte, Cafés und Gastronomie liegen dicht beieinander.
Dadurch muss man bei wechselhaftem Wetter keine langen Wege zurücklegen.
Ein kompletter Regentag lässt sich gut mit Schloss, Museum, Mittagessen und Café füllen.
Die eigentliche Stärke Eutins – Garten und Seen – erlebt man allerdings besser, wenn zumindest einige trockene Stunden dabei sind.
Eutin außerhalb der Hauptsaison
Eutin funktioniert auch außerhalb des Sommers.
Altstadt, Schloss und Kulturgeschichte sind nicht von Badewetter abhängig.
Im Frühjahr und Herbst gewinnen Schlossgarten und Seenlandschaft sogar einen eigenen Reiz.
Im Winter konzentriert sich ein Besuch stärker auf Stadt, Museen und Gastronomie.
Lediglich Festspiele, Schifffahrt und andere saisonale Angebote fallen dann weg oder sind eingeschränkt.
Wer Ruhe sucht und auf Veranstaltungen verzichten kann, bekommt Eutin außerhalb der sommerlichen Hauptreisezeit wesentlich stiller.
Für wen eignet sich Eutin?
Eutin eignet sich besonders für Menschen, die historische Städte mögen, aber zwischendurch Natur brauchen.
Geschichtsinteressierte finden mit Fürstbischöfen, Schloss und Residenzgeschichte genügend Stoff für einen ganzen Tag.
Literatur- und Musikinteressierte können den Spuren von Johann Heinrich Voß und Carl Maria von Weber folgen.
Gartenliebhaber sollten ausreichend Zeit für den Schlossgarten reservieren.
Wer gern spaziert, bekommt mit Großem und Kleinem Eutiner See Wege unmittelbar an der Stadt.
Radfahrer können Eutin als Ausgangspunkt für die Holsteinische Schweiz nutzen.
Für einen reinen Shoppingurlaub oder ausgeprägtes Nachtleben ist die Stadt dagegen nicht gedacht.
Eutin funktioniert leiser.
Seine Qualität liegt darin, dass unterschiedliche Interessen auf sehr kleinem Raum zusammenfinden.
Wie viel Zeit sollte man für Eutin einplanen?
Für Marktplatz, Altstadt, Schloss und einen kurzen Spaziergang durch den Schlossgarten sollte man mindestens einen vollen Tag einplanen.
Wer zusätzlich das Schloss ausführlich besichtigen, das Ostholstein-Museum besuchen und länger am See spazieren möchte, sollte nicht versuchen, alles in wenige Stunden zu pressen.
Zwei Tage sind für Eutin sehr angenehm.
Dann kann der erste Tag Altstadt, Schloss und Kultur gehören. Am zweiten bleibt Zeit für Seen, Fahrrad oder einen Ausflug in die Holsteinische Schweiz.
Drei Tage lohnen sich, wenn Plön, Malente oder die Ostseeküste hinzukommen.
Damit eignet sich Eutin nicht nur für einen Tagesausflug, sondern durchaus für ein ruhiges Wochenende.
Framania-Fazit
Eutin könnte es sich leicht machen.
Ein Schloss, ein hübscher Markt, Carl Maria von Weber und der Beiname „Weimar des Nordens“ ergeben genügend Material für eine klassische touristische Erzählung.
Interessanter wird die Stadt dort, wo diese einzelnen Bausteine miteinander verbunden werden.
Das Schloss erklärt, warum sich hier überhaupt ein Hof und ein kulturelles Umfeld entwickeln konnten. Die Bürgerhäuser rund um den Markt zeigen die Stadt außerhalb der Residenz. Johann Heinrich Voß, Carl Maria von Weber und andere Persönlichkeiten erinnern an eine Phase, in der eine kleine norddeutsche Stadt kulturell erstaunlich weit ausstrahlte.
Und hinter dieser Geschichte wartet keine Vorstadt.
Hinter dem Schloss beginnt ein Landschaftsgarten, dahinter liegt der Große Eutiner See und wenige Kilometer weiter setzt sich diese Landschaft mit weiteren Seen, Wäldern und Hügeln fort.
Genau darin liegt Eutins Qualität.
Die Stadt muss Kultur und Natur nicht künstlich zu einem Reiseangebot zusammensetzen. Beides ist historisch und räumlich längst miteinander verbunden.
Man kann morgens über einen Platz gehen, der noch von der alten Residenzstadt erzählt, anschließend durch historische Schlossräume laufen und wenig später unter alten Bäumen am See stehen. Abends kann im Sommer Musiktheater am Wasser hinzukommen.
Eutin braucht deshalb den Vergleich mit Weimar eigentlich nicht.
Die überzeugendere Geschichte ist die eigene: eine kleine Residenzstadt, deren kulturelles Erbe unmittelbar in die Seenlandschaft der Holsteinischen Schweiz übergeht.