Artothek Stade
Artothek Stade
Artothek in Stade
Artothek Stade: Kunst ausleihen statt nur anschauen
Als wir die Artothek im Johanniskloster betreten haben, war mein erster Gedanke: Das sieht ein bisschen aus wie eine Petersburger Hängung. Bilder dicht an dicht, große neben kleinen, kräftige Farben neben ruhigen Motiven und völlig unterschiedliche Stilrichtungen an einer Wand.
Man weiß zunächst gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Genau das hat uns gefallen. Abstrakte Arbeiten treffen auf gegenständliche Malerei, expressive Bilder auf ganz ruhige Motive. Jeder entdeckt etwas anderes.
Die eigentliche Überraschung kam für uns aber erst danach: Diese Kunst kann man mit nach Hause nehmen.
Nicht als Druck oder Reproduktion. Man sucht sich tatsächlich ein Original aus und leiht es für einige Monate für die eigenen vier Wände.
So etwas hatten wir vorher noch nie gesehen.
Eine Kunstsammlung mit mehr als 1.400 Werken
Hinter der Artothek steckt eine erstaunlich große Sammlung. Mehr als 1.400 Werke gehören zum Bestand des Landschaftsverbandes Stade. Entstanden ist die Sammlung durch Ankäufe der öffentlichen Hand seit den 1920er-Jahren. Heute bildet sie einen Querschnitt durch rund 80 Jahre Kunstgeschichte des Elbe-Weser-Raumes.
Für die Artothek stehen derzeit rund 180 Gemälde und Grafiken von 66 Künstlerinnen und Künstlern zur Auswahl.
Und die könnten unterschiedlicher kaum sein. Die Bandbreite reicht von figürlicher und naturalistischer Malerei über abstrakte Arbeiten bis zu geometrischen Kompositionen und Farbfeldmalerei. Dazu kommen unterschiedliche Techniken – Ölgemälde ebenso wie Aquarelle, Zeichnungen, Radierungen, Holz- und Linolschnitte oder Lithografien.
Man muss also überhaupt nicht mit einer bestimmten Vorstellung hineingehen. Vielleicht ist gerade das der Reiz.
Das Lieblingsbild darf mit nach Hause
Das Prinzip der Artothek erinnert an eine Bibliothek: Nur leiht man hier keine Bücher, sondern Kunst.
Die Werke sind gerahmt und können für mehrere Monate ausgeliehen werden. Für den sicheren Transport werden sie in stabilen Bilderkartons verpackt. Wer vorher schon einmal stöbern möchte, findet die verfügbaren Arbeiten auch im Online-Katalog mit Angaben zu Künstler, Titel, Technik, Datierung und Größe.
Die Vorstellung, ein Original erst einmal eine Zeit lang zu Hause hängen zu haben, fanden wir sofort spannend.
Denn wie ein Bild in den eigenen vier Wänden wirkt, merkt man wahrscheinlich erst, wenn man eine Weile damit lebt. Und irgendwann darf etwas Neues einziehen.
Gerade für Menschen, die ihre Wohnung gerne verändern, ist das eine tolle Möglichkeit. Statt sich dauerhaft auf ein Kunstwerk festzulegen, kann mit einem neuen Bild auch eine ganz andere Stimmung in einen Raum kommen.
Kunst anschauen – auch ohne etwas auszuleihen
Man muss übrigens nicht mit einem Bild nach Hause gehen. Vor der Ausleihe können die Werke in einem kleinen Galerieraum im Johanniskloster noch einmal angesehen werden.
Für uns macht schon das Stöbern Spaß. Die vielen unterschiedlichen Arbeiten nebeneinander, verschiedene Epochen, Techniken und Handschriften – man bleibt automatisch immer wieder vor einem anderen Bild stehen.
Deshalb würden wir die Artothek auch als Schietwetter-Tipp für Stade empfehlen. Wer Kunst mag oder einfach neugierig ist, kann hier eine regionale Sammlung entdecken, die man in dieser Form wahrscheinlich nicht erwartet.
Und vielleicht findet man dabei doch ein Bild, das für ein paar Monate mit nach Hause darf.
Für wen lohnt sich die Artothek Stade?
Für Kunstliebhaber: Auf jeden Fall. Die stilistische Bandbreite ist groß und es gibt viel zu entdecken.
Für alle, die gerne umgestalten: Eine richtig schöne Idee. Ein neues Original an der Wand kann einem vertrauten Raum einen völlig anderen Charakter geben.
Für Kunst-Neugierige: Ebenfalls spannend. Man braucht keinerlei Vorwissen und muss auch nicht wissen, welche Kunstrichtung einem gefällt. Einfach anschauen und entdecken.
Für einen Schietwettertag: Ein ungewöhnlicher Kulturstopp, der sich gut mit einem Tag in der Stader Altstadt verbinden lässt.
Das Besondere: Originalkunst bleibt hier nicht an der Ausstellungswand. Ausgewählte Gemälde und Grafiken können für mehrere Monate ausgeliehen werden.
Unser Framania-Fazit
Die Artothek im Johanniskloster war für uns eine echte Entdeckung.
Schon beim Reinkommen hat uns diese Fülle ganz unterschiedlicher Bilder gefallen – fast wie eine kleine Petersburger Hängung. Dass man sich anschließend tatsächlich eines der Originale aussuchen und mit nach Hause nehmen kann, macht den Ort für uns besonders.
Man muss dafür weder Kunstsammler sein noch genau wissen, wonach man sucht. Vielleicht geht man einfach hinein, schaut sich um und wartet ab, bei welchem Bild man ein zweites Mal stehen bleibt.
Und genau dieses darf dann vielleicht mit.
Artothek im Johanniskloster
Johannisstraße 3
21682 Stade
Besichtigung und Ausleihe nach Vereinbarung. Die aktuellen Leihkonditionen am besten direkt bei der Artothek erfragen.