Tanja Drecke: Von der Stammkundin zur eigenen Buchhandlung

Manchmal beginnt eine berufliche Geschichte nicht mit einem Businessplan, sondern mit einem Ort, an dem man einfach gerne ist.

Bei Tanja Drecke war dieser Ort eine Buchhandlung.

Schwarz auf Weiß in der Buxtehuder Ritterstraße war ihre Lieblingsbuchhandlung. Sie kaufte dort ihre Bücher, kannte den Laden – und gehörte irgendwann sogar selbst zu den Gästen, die eine Nacht zwischen den Bücherregalen verbrachten.

Bei einer dieser Übernachtungen kam sie mit der damaligen Inhaberin Zenita Ahrens ins Gespräch.

Was daraus entstand, hätte Drecke zu diesem Zeitpunkt vermutlich selbst nicht erwartet.

Angefangen hat alles mit Buchtipps

Zunächst übernahm Tanja Drecke Aufgaben für die Buchhandlung. Sie schrieb Buchtipps für die Website und kümmerte sich um Facebook und Instagram.

Bezahlt wurde sie, wie sie selbst erzählt, in Büchern.

Eigentlich ziemlich passend.

Als später feststand, dass Zenita Ahrens Schwarz auf Weiß verkaufen wollte, musste Drecke eine wesentlich größere Entscheidung treffen.

Sie ergriff die Gelegenheit.

Im Mai 2020 übernahm sie die Buchhandlung und erfüllte sich damit ihren Traum vom eigenen Buchladen.

Aus der Kundin war die Inhaberin geworden.

Ein Buchladen mit Persönlichkeit

Als wir Tanja Drecke in Buxtehude kennengelernt haben, erlebten wir sie als ausgesprochen offene und zugewandte Frau.

Sie kam mit uns ins Gespräch, erzählte von der Buchhandlung und von den Übernachtungen und vermittelte dabei genau das, was wir anschließend auch im Laden wahrgenommen haben: Hier geht es sehr persönlich zu.

Das passt zu Schwarz auf Weiß.

Die Auswahl erschöpft sich nicht in den Titeln, die ohnehin gerade auf jeder Bestsellerliste stehen. Das Team liest selbst, stellt Empfehlungen zusammen und sucht Bücher heraus, über die es sich zu sprechen lohnt.

Für uns als Besucher macht das einen großen Unterschied.

Man geht nicht nur durch Regale. Man bekommt Lust, etwas herauszunehmen und hineinzulesen.

Lesen soll Menschen zusammenbringen

Tanja Drecke beschränkt ihre Arbeit längst nicht auf den Verkauf von Büchern.

In Schwarz auf Weiß gibt es Lesungen, Vorträge, Konzerte und Buchclubs. Besonders wichtig ist ihr auch die Leseförderung bei Jugendlichen.

Die Buchhandlung hat die Jugendlesegruppe „Die Bücherdiebe“ ins Leben gerufen. Dort treffen sich junge Leserinnen und Leser regelmäßig und sprechen miteinander über Bücher.

Drecke gehört außerdem zum dreiköpfigen Lektorenteam des Buxtehuder Bullen. Das Team sichtet die Jugendbücher, die für den bekannten Buxtehuder Literaturpreis infrage kommen.

Das bedeutet vor allem eines: sehr viel lesen.

Und sehr genau hinschauen.

Eine Buchhandlung, in der man sogar schlafen darf

Die wohl ungewöhnlichste Idee von Schwarz auf Weiß gab es bereits vor Tanja Dreckes Übernahme: In der Buchhandlung kann übernachtet werden.

Interessanterweise gehört genau dieses Angebot aber auch zu ihrer eigenen Geschichte. Schließlich war sie selbst Übernachtungsgast, bevor sie Mitarbeiterin und später Inhaberin wurde.

Heute führt sie das Konzept weiter.

Nach Ladenschluss bleiben die Gäste zwischen den Bücherregalen zurück, bekommen ihr Nachtlager und können lesen, solange sie möchten. Die Termine sind so begehrt, dass die Buchhandlung weit im Voraus planen muss.

Für uns ist das ein schönes Beispiel dafür, wie ein kleiner unabhängiger Buchladen gegen den anonymen Onlinehandel bestehen kann.

Nicht indem er versucht, das Internet nachzumachen.

Sondern indem er etwas bietet, das man dort nicht bekommt: Begegnungen und Erlebnisse rund ums Buch.

Mehr als Bücher verkaufen

Genau deshalb passt Tanja Drecke für uns in die Reihe „Besondere Nordlichter“.

Wir suchen dafür Menschen aus dem Norden, hinter deren Arbeit eine eigene Geschichte steckt.

Bei ihr ist es die Geschichte einer Frau, die einen Buchladen zunächst als Kundin liebte und irgendwann selbst die Verantwortung dafür übernahm.

Und die daraus einen Ort weiterentwickelt, an dem Menschen nicht nur Bücher kaufen.

Sie treffen sich dort. Sie diskutieren über Literatur. Jugendliche lesen gemeinsam. Autoren kommen zu Veranstaltungen. Menschen reisen nach Buxtehude, um zwischen den Regalen zu übernachten.

Ein kleiner Buchladen bekommt dadurch eine erstaunlich große Reichweite.

Unser Framania-Fazit

Vielleicht hat uns Tanja Dreckes Geschichte auch deshalb gefallen, weil sie so gut zu unserem Eindruck von Schwarz auf Weiß passt.

Der Laden wirkt persönlich, und seine Inhaberin ebenfalls.

Wir haben Tanja Drecke als unkompliziert, offen und sehr zugewandt erlebt. Man merkt schnell, dass Bücher für sie keine Ware sind, die möglichst schnell über den Tresen muss.

Ihre eigene Geschichte begann schließlich selbst auf der anderen Seite dieses Tresens – als Kundin.

Heute steht sie dahinter.

Und wenn nachts die letzten Kunden gegangen sind, übergibt sie den Schlüssel manchmal an Menschen, die genau das erleben möchten, was sie selbst einmal erlebt hat: eine Nacht in ihrer Lieblingsbuchhandlung.

Nur dass es inzwischen ihre eigene ist.

Tanja Drecke
Inhaberin der Buchhandlung Schwarz auf Weiß
Ritterstraße 9
21614 Buxtehude

Übernachten in einer Buchhandlung: Eine Nacht bei Schwarz auf Weiß in Buxtehude