Johann Bernhard Cording: Der Mann hinter einem Stück altem Stade

Manchmal reicht es, eine Ladentür zu öffnen, und plötzlich fühlt sich eine Stadt noch ein bisschen historischer an.

So ging es uns bei Leder-Cording in der Stader Burgstraße.

Schon beim Reinkommen riecht man das Leder. Taschen und andere Lederwaren stehen und hängen in dem kleinen Geschäft, die Einrichtung ist klassisch geblieben und hinter all dem steht Johann Bernhard Cording. Er führt einen Familienbetrieb weiter, dessen Geschichte in Stade über mehrere Generationen zurückreicht.

Uns hat dieser Laden sofort fasziniert. Nicht, weil hier versucht wird, mit einer künstlichen Retro-Kulisse Vergangenheit nachzubauen. Sondern weil vieles tatsächlich geblieben ist.

Ein Name, der seit mehr als 100 Jahren zu Stade gehört

Wie lange die Familie Cording hier schon mit Leder handelt, zeigt ein Blick in die Stader Geschichte.

Bereits im Adressbuch von 1911 findet sich in der Burgstraße 4 ein Eintrag für Bernhard Cording mit einer „Leder- und Maschinenhandlung“.

Mehr als ein Jahrhundert später steht an derselben Adresse noch immer der Name Cording über einem Ledergeschäft. Heute führt Johann Bernhard Cording den Familienbetrieb.

Diese Kontinuität fanden wir bemerkenswert.

Denn in mehr als 100 Jahren hat sich nicht nur Stade verändert. Vor allem der Einzelhandel ist heute ein völlig anderer. Warenhäuser kamen, Fußgängerzonen entstanden, Filialketten breiteten sich aus und schließlich verlagerte sich ein großer Teil des Einkaufs ins Internet.

Leder-Cording ist geblieben.

Ein Geschäft, das seine Geschichte nicht versteckt

Johann Bernhard Cording hat den Charakter des alten Familiengeschäfts bewahrt. Genau das macht ihn und seinen Laden für uns interessant.

Wer hier moderne Ladenarchitektur, helle Präsentationstische und die Optik einer großen Handelskette erwartet, ist an der falschen Adresse. Leder-Cording wirkt eher wie eines jener kleinen Fachgeschäfte, die früher selbstverständlich zu einer Innenstadt gehörten.

Wir würden es trotzdem nicht altmodisch nennen.

Es ist ein Laden mit Geschichte – und die darf man ihm ansehen.

Gerade in der historischen Stader Altstadt passt das erstaunlich gut. Draußen die alten Straßen und Fachwerkhäuser, drinnen ein Geschäft, das selbst schon seit Generationen dazugehört.

Und dann dieser Ledergeruch

Was bei uns besonders hängen geblieben ist, war etwas ganz Einfaches: der Geruch.

Man öffnet die Tür und weiß sofort, was hier verkauft wird.

Leder kann man ansehen, anfassen und riechen. Plötzlich merkt man, wie sinnlich Einkaufen eigentlich sein kann.

Das lässt sich online kaum ersetzen.

Im Internet können wir eine Tasche von allen Seiten betrachten, Bewertungen lesen und zwischen hundert Modellen wechseln. Bei Cording nimmt man sie in die Hand, fühlt das Material, schaut sich die Verarbeitung an und kann mit jemandem sprechen, der sich damit auskennt.

Für uns war genau das ein Teil des Erlebnisses.

Weg vom Mainstream

Das Sortiment besteht aus Lederwaren und klassischen Accessoires in unterschiedlichen Ausführungen. Aber wir möchten aus diesem Porträt bewusst keinen Produktkatalog machen.

Interessanter ist, wofür ein Geschäft wie dieses heute steht.

Es gibt noch Orte, an denen man nicht durch ein ständig wechselndes Sortiment geführt wird, das gerade überall im Trend liegt. Man kann in ein inhabergeführtes Fachgeschäft gehen, sich beraten lassen und etwas auswählen, das man vorher tatsächlich in der Hand hatte.

Gerade wer auf Reisen gern etwas aus einer Stadt mitnimmt und dabei nicht bei den üblichen Ketten einkaufen möchte, findet solche Geschäfte spannend.

Ein Familienbetrieb über Generationen

Hinter Johann Bernhard Cording stehen mehrere Generationen einer Familie, die mit diesem Geschäft verbunden sind.

Und damit übernimmt man mehr als einen Firmennamen.

Ein traditionsreiches Fachgeschäft heute weiterzuführen, bedeutet schließlich, sich in einer Einkaufswelt zu behaupten, die mit der seiner Vorfahren kaum noch vergleichbar ist.

Onlinehandel, große Plattformen und Filialisten sind Konkurrenz, die frühere Generationen nicht kannten.

Man könnte auf diese Veränderungen reagieren, indem man alles modernisiert und versucht, genauso auszusehen wie die anderen.

Johann Bernhard Cording hat einen anderen Weg gewählt.

Sein Geschäft darf weiterhin nach Cording aussehen.

Warum Johann Bernhard Cording für uns ein besonderes Nordlicht ist

Für unsere Nordlichter suchen wir nicht nur bekannte Namen.

Uns interessieren Menschen aus dem Norden, die etwas Besonderes geschaffen haben, eine ungewöhnliche Idee verfolgen, ein Handwerk beherrschen oder etwas bewahren, das ohne sie möglicherweise irgendwann verschwinden würde.

Deshalb gehört Johann Bernhard Cording für uns in diese Reihe.

Er führt einen Familienbetrieb weiter, dessen Name nachweislich seit mehr als einem Jahrhundert mit dem Lederhandel an dieser Adresse verbunden ist.

Und er bewahrt damit auch ein kleines Stück alter Stader Einkaufskultur.

Unser Framania-Fazit

Unser Besuch bei Johann Bernhard Cording war eine dieser kleinen Entdeckungen, die einen Altstadtbummel besonders machen.

Tür auf, Ledergeruch in der Nase und plötzlich steht man in einem Geschäft, das so gar nichts von einem austauschbaren Laden hat.

Gerade das hat uns gefallen.

Wer durch Stade geht, alte Fachgeschäfte mag und bewusst abseits des Onlinehandels und der großen Ketten einkaufen möchte, sollte bei Leder-Cording einmal die Tür öffnen.

Nicht nur wegen der Lederwaren.

Sondern auch wegen Johann Bernhard Cording und einer Familiengeschichte, die an diesem Ort seit mehr als 100 Jahren weitergeschrieben wird.

Johann Bernhard Cording
Leder-Cording
Burgstraße 4
21682 Stade