Hasko Witte, Kleine Fleth Philharmonie, Foto Steven Haber
Hasko Witte, Kleine Fleth Philharmonie, Foto Steven Haber
Hasko Witte: Der Mann hinter Buxtehudes kleinster Philharmonie
Ein Büro im hinteren Teil, vorne eine ehemalige Ladenfläche und im Schaufenster ein Steinway-Flügel. Daraus einen Konzertsaal mit gerade einmal 36 Plätzen zu machen, muss einem erst einmal einfallen.
Hasko Witte ist dieser Gedanke gekommen.
Wir haben ihn in Buxtehude kennengelernt und fanden nicht nur die Kleine Fleth-Philharmonie ungewöhnlich, sondern auch den Menschen dahinter. Witte arbeitet seit vielen Jahren mit Künstlerinnen und Künstlern, Solisten und Orchestern. Als er mit seinem Büro nach Buxtehude zog, brachte er diese Arbeit und die zunächst freie Fläche am Westfleth zusammen.
Heute sitzt sein „Büro für Künstler“ im hinteren Teil des Hauses. Vorne finden Konzerte statt.
Angefangen hat alles mit Popmusik
Wittes beruflicher Weg begann lange vor der Kleinen Fleth-Philharmonie. In Hamburg arbeitete er zunächst als Promoter bei der Agentur KüsterCom. Mit 26 Jahren machte er sich im Jahr 2000 mit einer eigenen Promotion-Agentur selbstständig.
Die Liste der Musiker, deren Alben er damals promotete, ist ziemlich bunt: Farin Urlaub gehört ebenso dazu wie die Crash Test Dummies, Stefan Gwildis, Michy Reincke, Etta Scollo und Oasis.
Gemeinsam mit Michy Reincke arbeitete Witte später auch an Veröffentlichungen von Künstlern wie Anna Depenbusch, Regy Clasen und Fjarill. 2004 entstand außerdem die Veranstaltungsreihe „Lausch Lounge“.
Sein Weg führte ihn anschließend stärker in die klassische Musik. Von 2007 bis Ende 2015 leitete Witte die Promotion der Abteilung Edel:Kultur bei der Hamburger Edel Germany GmbH. Dort arbeitete er unter anderem für die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianistin Ragna Schirmer, Concerto Köln, die Sopranistin Christiane Karg und den Hornisten Felix Klieser.
Konzerte und kleinere Veranstaltungsformate gehörten schon damals dazu.
Ein Büro für Künstler
2016 gründete Hasko Witte in Hamburg das „Büro für Künstler“.
Der Name beschreibt ziemlich genau, was er macht. Es geht nicht ausschließlich um klassisches Künstlermanagement. Sein Büro übernimmt je nach Projekt Pressearbeit und Kommunikation, entwickelt Konzepte und besondere Konzertprojekte, betreut Social Media oder kümmert sich um organisatorische Aufgaben.
Heute arbeitet das Büro unter anderem mit internationalen Solisten, Ensembles und Orchestern.
Interessant fanden wir, dass Witte musikalisch keine besonders engen Grenzen zieht. Klassische Musik ist ein wichtiger Teil seiner Arbeit, aber Jazz und Pop gehören genauso zu seiner musikalischen Welt. Entscheidend ist für ihn die Qualität.
Vielleicht erklärt gerade das, warum die Kleine Fleth-Philharmonie später kein steifer Konzertsaal geworden ist.
Von Hamburg nach Buxtehude
Im November 2021 verlegte Hasko Witte den Firmensitz seines Künstlerbüros nach Buxtehude.
Am Westfleth 37 fand er Räume, die für sein Büro passten – allerdings mit einer Besonderheit: Vor den eigentlichen Büroräumen lag eine ehemalige Ladenfläche.
Uns erzählte Witte bei unserem Besuch, wie daraus die Idee für die Fleth-Philharmonie entstand. Warum diese Fläche einfach leer lassen, wenn man beruflich ohnehin jeden Tag mit Musik und Künstlern zu tun hat?
Also wurde aus dem vorderen Teil kein gewöhnlicher Empfangs- oder Verkaufsraum.
Dort steht heute ein Steinway A aus dem Jahr 1906.
Davor: 36 Stühle.
Mehr braucht Buxtehudes wohl kleinste Philharmonie nicht.
36 Plätze statt großer Konzertsaal
Seitdem holt Witte Musikerinnen und Musiker nach Buxtehude, die zum Teil normalerweise auf wesentlich größeren Bühnen zu erleben sind.
Das Publikum sitzt hier nicht weit entfernt im großen Saal. Zwischen Musikern und Zuhörern liegen nur wenige Meter. Genau diese Nähe gehört zum Konzept der Kleinen Fleth-Philharmonie.
Und Witte ist dort nicht einfach der Mann im Hintergrund. Ein Zeitungsinterview beschrieb ihn einmal gleichzeitig als Intendanten, Platzanweiser und Ticketverkäufer. Das trifft die Dimension dieses Ortes ziemlich gut.
Es ist klein und persönlich geblieben.
Auch bildende Kunst hat ihren Platz bekommen. Künstlerinnen und Künstler aus der Region können Malerei, Zeichnungen und Fotografien in den Räumen zeigen. Die Ausstellungen sind sogar unabhängig von den Konzerten zugänglich.
Aus einer ehemaligen Ladenfläche ist damit ein kleiner Kulturort geworden.
Musik ohne Schubladen
Was uns an Hasko Wittes Geschichte gefällt, ist diese Verbindung.
Auf der einen Seite arbeitet er professionell in einer Branche, in der internationale Solisten, Orchester, Konzertveranstalter und große Bühnen zum Alltag gehören. Auf der anderen Seite betreibt er mitten in Buxtehude einen Konzertsaal, in den gerade einmal 36 Menschen passen.
Beides scheint für ihn kein Widerspruch zu sein.
Und auch die musikalischen Grenzen sind nicht starr. Klassik steht zwar stark im Mittelpunkt der Fleth-Philharmonie, daneben finden aber auch andere musikalische Formate ihren Platz.
Witte selbst bringt seine Haltung zur Musik mit einem Satz auf den Punkt: „Wir können mit Musik nicht die Welt retten, aber wenigstens ein bißchen schöner machen.“
Bei unserem Besuch konnten wir ein bisschen davon selbst erleben.
Unser Besuch bei Hasko Witte
Hasko Witte hat uns persönlich in die Kleine Fleth-Philharmonie eingeladen und uns erzählt, wie dieser ungewöhnliche Ort entstanden ist.
Dabei blieb es nicht beim Rundgang. Wir bekamen auch eine kleine musikalische Kostprobe am Steinway.
Gespielt hat nicht Witte selbst, sondern ein junger Mann, der – wie uns erzählt wurde – hauptberuflich bei Airbus arbeitet. Dann setzte er sich an diesen alten Flügel und spielte.
Wir waren überrascht, wie intensiv Musik in einem so kleinen Raum wirken kann. Keine große Bühne, keine Distanz und kein Menschentrubel. Nur der Pianist, der Flügel und wenige Zuhörer.
Für uns war diese kleine Kostprobe ein echter Ohrenschmaus.
Und spätestens in diesem Moment konnten wir verstehen, warum Witte ausgerechnet hier Konzerte veranstalten wollte.
Ein besonderes Nordlicht
Für unsere Reihe „Besondere Nordlichter“ suchen wir Menschen, die im Norden etwas Eigenes aufbauen, erhalten oder auf eine ungewöhnliche Idee kommen.
Hasko Witte gehört für uns dazu.
Seine Geschichte beginnt nicht erst mit der Kleinen Fleth-Philharmonie. Dahinter liegen Jahrzehnte Arbeit mit Musikern und Künstlern, Erfahrungen aus Pop und Klassik und schließlich die Entscheidung, das eigene Künstlerbüro mit einem kleinen öffentlichen Kulturort zu verbinden.
Aus einer freien Ladenfläche am Westfleth wurde so ein Raum für Musik und Kunst.
Vielleicht muss eine gute Idee manchmal gar nicht größer sein.
36 Plätze reichen.
Hasko Witte
Büro für Künstler / Kleine Fleth-Philharmonie
Westfleth 37
21614 Buxtehude